| Einleitung |
Exkurs: Altenglische Dichtung - heidnisch oder christlich? |
Kap 2: Literatur und Glaubensverkündigung |
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1. England
zur Zeit vor den Angelsachsen |
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Die Christianisierung der Angelsachen1. England zur Zeit vor den Angelsachsen Die germanischen Stämme waren nicht die ersten, die England überfielen und eroberten. Bereits um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr., kurz nach 700 v. Chr., hatten keltische Stämme, in mehreren Schüben über die Jahrhunderte hinweg bis um ca. 100 v. Chr., begonnen, die Ureinwohner Großbritanniens zu überfallen und sich mit ihnen in unterschiedlichem Ausmaß zu verbinden. Die Stämme konnten sich insgesamt ca. 1000 Jahre bis zur Invasion der Angeln, Jüten und Sachsen auf dem heutigen Gebiet Englands halten. Die keltischen Gesellschaften organisierten sich weder gebietsmäßig, geschweige denn auf feudale Art wie später die Angelsachsen, sondern lebten in einem Familienverbundsystem, das sowohl auf legalen als auch gefühlsmäßigen Banden als moralischer Basis beruhte. (1) Die Tatsache, daß das Clansystem Jahrunderte später in den frühesten walisischen Gesetzen weiterlebt (10. Jh. n. Chr.), beweist darüber hinaus, daß die Zeit römischer Besatzung in England nicht als eine Unterbrechung der Gesellschaftsorganisation angesehen werden kann. Sie schwächte die keltische Stammesstruktur (2), zerstörte sie jedoch keineswegs. Wie und wann die irischen Kelten mit dem Christentum in Berührung kamen, liegt weitgehend im Dunkeln. Es gibt allerdings schon früh Zeugnisse, die die Anwesenheit von Christen auf der Insel bestätigen. Schon im 3. Jahrhundert n. Chr. gab es Christen in nichtrömischen Gebieten. (3) Auf der Synode von Arles im Jahre 314 n. Chr. waren bereits drei britische Bischöfe anwesend. (4) Auf dem Konzil von Rimini im Jahre 359 war die britische Kirche durch mehrere Prälaten repräsentiert. (5) Auf dem Konzil von Tours im Jahre 461 war Mansuetus als "episcopus Brittonum" präsent, und auf dem Konzil von Vannes zwei Jahre später wurde der Brite Paternus zum Bischof gewählt. (6) Darüber hinaus läßt sich in der Bretagne eine starke hagiographische Tradition nachweisen, die auf den Einfluß britischer Mönche zurückgeht. (7) In Irland gab es aus dieser Zeit römische Handelsstützpunkte mit Gräberfeldern. Einige dieser Gräber waren eindeutig Gräber von Christen. Außerdem setzt die Verwendung der Ogham-Schrift auf einheimischen Grabmalen die Kenntnis britischer Grablegepraxis voraus. (8) Auch der Fund eines Mosaiks mit Christus und dem Chi-Rho Monogramm, das in einem Haus in Hinton St. Mary in Dorset gefunden wurde, läßt den Schluß zu, daß einige Besitzer von Villen aus dem 4. Jahrhundert bereits Christen waren. (9) Historisch greifbar ist das Christentum erst in der sicher bezeugten Persönlichkeit des Heiligen Patrick (ca. 385-461), der Irland nicht nur missionierte, sondern auch kirchlich als Bischofskirche strukturiert und organisiert hatte. (10) Zwar sandte Papst Coelestin I. (Sept. 422-Juli 432) (11) bereits im Jahre 431 n. Chr. den Diakon Palladius als ersten Bischof nach Irland, um die dort verstreuten Christen kirchlich zu organisieren und um dem Einfluß pelagianischer Irrlehren vorzubeugen, aber dieser schien nicht besonders erfolgreich gewesen zu sein. (12) Daß aus der Bischofskirche sehr schnell eine Mönchskirche wurde, lag vielleicht am Einfluß der Mönche Martins von Tours (13). Aber auch Patrick schätzte den Mönchsstand sehr hoch ein. Um 520 n. Chr. wurde das Mönchstum zunehmend beliebter, und bereits gegen Ende des 6. Jahrhunderts war die gesamte Insel mit Klöstern übersät. Hinzu kam, daß es schwierig wurde, aufgrund fehlender Städte, geeignete Plätze für Bischofssitze zu finden. (14) Die Existenz von Bischöfen und anderen Persönlicheiten als Repräsentanten einer britisch-keltischen Kirche erlaubt allerdings nicht, Rückschlüsse darauf zu ziehen, inwieweit breitere Bevölkerungsschichten alten religiösen Praktiken und Riten absagten und sich dem Christentum zuwandten. Nach dem Zusammenbruch der Herrschaft der Römer über Britannien (15), die das Christentum mitgebracht hatten, und dem Einfall der Germanen im 5. Jahrhundert kam es zum fast vollständigen Verschwinden des Christentums. Das Christentum überlebte in den Teilen, die der Eroberung entgingen. Vor allem in Wales blieb die Kirche eine starke Kraft und breitete sich von dort auch nach Irland aus, das wiederum später eine bedeutende Rolle bei der Christianisierung und kulturellen Prägung Englands und des Kontinents spielte. (16) Für den Kirchenhistoriker John Godfrey ist es besonders bemerkenswert, daß dagegen von Wales aus keinerlei Kontakte mit den Angelsachsen im Osten gesucht und auch kein Versuch gemacht wurde, die Eindringlinge zu bekehren: Davon berichtet auch Beda in seiner zweibändigen Kirchengeschichte:
Im Gegensatz dazu gab es einen regen kulturellen Austausch zwischen Wales, Cornwall, Irland und der Bretagne. Dazu John Godfrey:
Der englische Historiker George M.Trevelyan hält die Invasion der nordischen Stämme, hierzu zählt er die Angelsachsen und Jüten, Dänen und Norweger, für bedeutender als die römische Besatzung oder die normannische Eroberung im 11. Jahrhundert. Die Eroberung zeigte länger andauernde Auswirkungen in England, weil dadurch die keltische Bevölkerung von den fruchtbarsten Ackerbaugebieten verdrängt wurde und sich die keltischen Bewohner den germanisch-nordischen Völkern anpaßten und nicht umgekehrt. (19) Diese allgemeine, letztlich allein auf Bedas Darstellung beruhende Auffassung wird jedoch von James H. Wilson in seinem Buch über den Einfluß christlicher Theologie auf die altenglische Dichtung bezweifelt. (20) Seiner Meinung nach ist es nicht verständlich, daß die bereits existierende keltische Kirche keinen Versuch unternommen haben soll, im germanischen Besatzungsgebiet zu missionieren und das Werk des Glaubens fortzuführen, wie es Beda im 22. Kapitel des ersten Buches seiner Kirchengeschichte schildert. (21) Im selben Kapitel sieht Wilson den Hinweis, daß Germanen unter der keltischen Bevölkerung lebten:
Die Tatsache, daß ca. 100 Jahre nach Beendigung der Invasion das Christentum praktisch überall auf der ganzen Insel anerkannt war (23), läßt Wilson die Vermutung äußern, daß das Christentum durch den germanischen Einfluß nicht völlig ausgelöscht wurde und die germanischen Stämme auf der Insel nicht unvorbereitet auf das Kommen irischer Mönche und die Mission Augustins waren. (24) Die Frage kann hier nicht weiter erörtert werden. Die historische Realität wird aufgrund mangelnder schriftlicher Quellen wohl nie vollständig erfaßbar sein. 2.
Die Invasion der Angelsachsen
Im selben Kapitel nennt er drei Stämme, die in England einfielen, die Sachsen, Angeln und Jüten. Die Auswirkungen, die die Invasion auf die bestehende keltische Gesellschaft ausübte, schildert Beda in besonders drastischen Worten:
Er läßt keinen Zweifel an der Brutalität der germanischen Invasoren aufkommen. (29) Einer der Gründe für den Erfolg der Invasion lag vielleicht in der Tatsache, daß die Germanen bezüglich ihrer Stammesorganisation den keltischen Einwohnern überlegen waren, da sie noch auf dem Kontinent bereits mit dem Königtum vertraut waren und das Clan-und Familiensystem, das die Briten praktizierten, durch das Adels- und Königsprinzip ersetzt hatten. Somit schufen sie die Basis für die spätere Adels- und Feudalgesellschaft. Zwar gab es die Verbundenheit mit der Familie in der angelsächsischen Gesellschaft, doch weit bedeutender als die stammesorientierte war die persönliche Loyalität zum Herrscher. (30) Darüber hinaus waren die einzelnen Stämme durch weitere Gemeinsamkeiten wie Sprache, Religion, Kultur und literarische Traditionen verbunden.
Auch nach der Christianisierung blieben sich die Angelsachsen des germanischen Ursprungs ihrer Völker bewußt, vor allem, weil Beda dies sehr deutlich ausgedrückt hatte. Und so ist es nur natürlich, daß sie nach ihrer Bekehrung fortfuhren, in der germanischen Tradition stehende Gedichte auch in ihrer neuen Umgebung zu verfassen und vermutlich Jahrhunderte lang zu tradieren. (32) Die Dichtung der Angelsachsen war daher weitgehend abhängig von der kontinentalen und mündlichen Dichtungspraxis ihrer Vorfahren. Nach Gatch haben sie nie ihre ethnische Identität als Nachfahren der germanischen Völker des Heldenzeitalters aufgegeben. Die Form, in der sie auch auf der Insel Gedichte verfaßten, blieb bis zum Ende der altenglischen Zeit im 11. Jahrhundert germanisch. (33) Obwohl es der Kirche gelang, rasche Erfolge bei der Christianisierung der Angelsachsen aufzuweisen, darf diese Tatsache nicht überbewertet werden, denn der heidnische Glaube an Götter und Geister, Elfen und Drachen, an die geistige Macht von Bäumen und Brunnen, blieb lange noch weit verbreitet. Diese heidnischen Mächte wurden durch Zauberformeln und Sprüche, durch Beschwörungen und Bann angerufen. (34) Die Angelsachsen gaben während der ganzen Zeit die Vorliebe für ihre alten germanischen Vorstellungen und Erzählungen niemals vollständig auf, wenn die Kirche auch immer wieder dagegen anging. (35) Man kann mit John Godfrey daher
im Zusammenhang mit dem Triumph des Christentums über die heidnische
Religion nicht von einer totalen Entwurzelung sprechen. Vielmehr handelt
es sich im Rahmen eines hermeneutischen Prozesses um eine Neuinterpretation
bereits existierender Ideen und Vorstellungen durch die Kirche.
(36) Die Kirche machte sich die heidnischen Überlieferungen
für ihren Kampf ums Christentum zu Nutze. Da die alten, mündlich
tradierten Heldensagen und Geschichten nicht völlig ausgelöscht
werden konnten, heidnische Bräuche unter der Oberfläche weitertradiert
wurden, vermochte die Kirche die Menschen zu bekehren, indem sie die biblischen
Geschichten über Schöpfung, Erlösung, Christus etc. in
der alten, den Menschen vertrauten Weise erzählte. Anstelle von heidnischen
Bräuchen und Beschwörungen für eine gute Ernte, für
Fruchtbarkeit oder Schutz der Herden setzte die Kirche die Bitte um Schutz
und Hilfe an die christlichen Heiligen, insbesondere an die Jungfrau Maria.
(37) So benutzten die christlichen Dichter die Nomenklatur aus
dem sozialen und politischen Bereich sowie Begriffe aus der Gesetzesliteratur,
um ihrerseits biblische Erfahrungen mit den Erfahrungen der Menschen im
Alltag zu vermitteln. (38) Schon zur Zeit Cædmons und auch später wurden diese Begriffe in der religiösen Dichtung benutzt; über den christlichen Gott wurde mit den Worten der Heldendichtung gesprochen. (41) Nach C.L. Wrenn haben wir es einem Dichter wie Cædmon zu verdanken, daß für die christliche Dichtkunst das großartige Erbe der sprachgewaltigen germanischen Heldendichtung überhaupt bewahrt worden ist. (42) Sein Schaffen wirkte traditionsbildend und richtungsweisend. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die sogenannte Cædmon-Schule (43) im Junius-MS, vor allem aber in den Gedichten Exodus (44) und Christ and Satan (45). Auch bei der Darstellung Christi und seiner Jünger sowie den Heiligen (46) haben sich die christlichen Dichter der typisch germanischen Diktion militärischer Terminologie, wie "æðeling", "hildfrecca", "hildfruma" bedient, sie in ihre Dichtung übernommen und in ihrem Sinn umgedeutet. Bei Cynewulf tritt neben der epischen Diktion auch das Thema der Loyalität besonders hervor. Im Epilog zum Christ II wird Christus als König und endzeitlicher Richter dargestellt, der je nach den Taten des irdischen Lebens entscheidet, wer aufgrund der Loyalität während seines Erdendaseins einen Platz in Christi himmlischer Gesellschaft verdient hat. (47) Alles in allem bedurfte es nur wenig Veränderung, um vorchristliche Vorstellungen in christliche Tugenden und Moral umzudeuten. (48) Die Kirche machte in den folgenden Jahrhunderten regen Gebrauch davon. (49) Allerdings führte die Kirche darüber hinaus, wie noch zu zeigen sein wird, auch völlig neue theologische Vorstellungen und moralische Werte ein. Was also bleibt von den Ursprüngen? Inwieweit sind Teile altenglischer epischer Dichtung rein heidnisch oder bereits christlich geprägt und überarbeitet? Was hat an heidnischen Überlieferungen wirklich überlebt? Ist Beowulf ein heidnisches oder christliches Gedicht? Diese Fragen waren vor allem im 19. und während der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert vorherrschender Gegenstand des sogenannten "Germania approach" frühmittelalterlicher Literaturkritk. (50) So behauptete zum Beispiel Ellen Elizabeth Wardale noch vor dem Zweiten Weltkrieg, daß das Gedicht Exodus zwar von einem Kirchenmann geschrieben worden, jedoch frei von christlichen Einflüssen sei. (51) Diese Fragen sollen im folgenden Abschnitt weiter ausgeführt werden. 3. Die Christianisierung der Angelsachsen Nach dem historischen Ereignis der Eroberung Englands durch die Angelsachsen und der damit verbundenen Frage, inwieweit heidnisch-germanische Wertvorstellungen und Elemente in der Dichtung überlebten, muß nun der zweite bedeutende Faktor, der die frühenglische Literatur geprägt, beeinflußt und mitgeformt hat - die Christianisierung der germanischen Stämme - kurz dargestellt werden. Wie kamen die Angelsachsen mit dem christlichen Glaubensgut in Berührung, wenn doch die ursprünglichen Einwohner, die Kelten, wie bereits erwähnt, kein missionarisches Interesse an den Eindringlingen zeigten? (52) Zu verdanken ist die Mission
zwei unterschiedlichen theologischen und kirchlichen Strömungen,
zum einen der Missionstätigkeit der irischen Kirche und ihrer Mönche,
zum anderen der von Gregor dem Großen von Rom aus durch seinen Botschafter
Augustinus initiierten Christianisierung. (53)
Im selben Kapitel schildert Beda neben den Leistungen Columbans bei der Reformierung der Klöster als Besonderheit der irischen Kirche den Zeitpunkt des Ostertermins, der einer der Streitpunkte in der Auseinandersetzung mit Rom wurde. (59) Neben dem Osterstreit war es vor allem die irische Bußpraxis und die Frage der Tonsur, in der sich die irische Mönchskirche von der Episkopalkirche Roms unterschied. Die tiefgreifenderen und wichtigeren Unterschiede zur Kirche Roms neben der Berechnung des Ostertermin und dem Konflikt um die Tonsur sind die regionale dezentrale Gliederung der Kirche mit ihren jeweiligen Hauptklöstern, die selbständig waren, die untergeordnete Stellung des Bischofs als klösterliches Amt und besonders die Qualität der mit den Klöstern verbundenen Schulen sowie die Bußdisziplin und der Hang zum Anachoretentum. (60) Die asketische Spiritualität stand im Vordergrund, während moralische Probleme eher von untergeordneter Natur waren. (61) Vor allem der christliche Glaube im frühen Nordhumbrien war stark durch die irische Mission geprägt. Doch trotz großer Erfolge, z.B. bei der Errichtung und Gründung religiöser Zentren und der Reform bereits gegründeter Klöster, konnte der christliche Glaube irischer Prägung auf Dauer nicht überleben. Die Arbeit der irischen Mönche hatte wenig Einfluß auf das ekklesiale System der englischen Kirche und vermochte es nicht, deren Säkularisation sowie die zunehmende Verweltlichung der Bischöfe und anderer Amtsträger aufzuhalten. Der Grund hierfür liegt nach Laistner vor allem im stark ausgeprägten asketischen Charakter des irischen Mönchtums. (62) Dennoch sind seiner Ansicht nach die Leistungen der irischen Kirche und ihr Einfluß auf das gesamte Europa unumstritten, da ihre Klosterorganisation weltliches und theologisches Lehren und Forschen kultivierte und somit maßgeblichen Einfluß auf das Denken und die Literatur im westlichen Europa ausübte. (63) Zu einem ähnlichen Urteil kommt Kottje, wenn er die Missionstätigkeit der Iren - und auch später der Angelsachsen - nicht nur wegen der beachtlichen räumlichen Ausweitung des christlichen Glaubens hervorhebt. Sie haben hauptsächlich durch ihre Seelsorge (64) und ihre neue Beichtpraxis zur inneren Aneignung des christlichen Glaubens beigetragen. So kam es durch ihre Tätigkeit zu einem Aufblühen des Klosterwesens im Osten und Nordosten Galliens, wo wiederum wichtige Stützpunkte der Missionsarbeit entstanden. Es ging nicht nur um ein Leben nach den unterschiedlichen Regeln (65), sondern wesentlich auch darum, geistliches und organisatorisches Zentrum für die Kirche zu sein. (66) 3.2
Die Angelsachsenmission Gregors des Großen Als Initiator dieser "römischen" Mission gilt Papst Gregor der Große (um 540-604) (68). Er hatte die Zeichen der Zeit und damit Möglichkeiten und Aufgaben sowie die Notwendigkeiten seiner Kirche erkannt, sich vom Osten abgewendet und seinen Blick auf das aufkommende westliche Europa gerichtet, indem er begann, Verbindungen mit den germanischen Stämmen aufzubauen. Mit diesem epochemachenden Entschluß, die Angelsachsen zu missionieren, machte er sich zum Wegbereiter des christlichen Abendlandes. Es war das erste Mal, daß eine Mission direkt von Rom aus begonnen wurde. (69) Gregor der Große gilt als der Vermittler zwischen der ausgehenden Antike und dem beginnenden Mittelalter. Er zeigte ein tiefes Verständnis für die Praktiken und Riten der heidnischen Religionen. Er war der erste Papst, der sich innerlich in die primitive Mentalität der Völker nördlich der Alpen hineinversetzen konnte. Er wies seine Missionare an, sich bei der Bekehrung an der Denkweise der Germanen zu orientieren und sich ihnen anzupassen. (70)
Dieses Einfühlungsvermögen und Verständnis Gregors für die kulturellen Traditionen der Angelsachsen, die er für den christlichen Glauben bewahren wollte, ist sicherlich mit ein Grund für die rasche Ausbreitung des Christentums in England. So wurde Augustinus (gest. wahrsch. 604) bereits im Jahre 601 das Pallium überreicht mit dem Auftrag, zwölf Bischöfe zu weihen und in London und York Metropolitansitze mit je 12 Suffraganbistümern zu errichten. (73) Damit wurde der Grundstein gelegt für weitere hierarchisch geordnete kirchliche Organisationen. Welch großen Einfluß Gregor auf die angelsächsische Theologie und Lehre des westlichen Europas hatte, läßt sich u.a. daran ermessen, welche Bedeutung ihm schon früh englische Gelehrte wie Beda, Alfred und Ælfric zuerkannten. Als "letzter Römer" beherrschte er die Theologie des Abendlandes von Bonaventura, Albertus Magnus, Thomas v. Aquin bis zur deutschen und spanischen Mystik (74) und hat durch seine Schriften auf das religiöse Leben während des gesamten Mittelalters Einfluß genommen. Seine Theologie, die sich vor allem in den großen Werken Regula Pastoralis, Moralia und den Dialogi, aber auch in seinen Homilien niederschlug, ist geprägt von altchristlichem Geistesleben. Sein ganzes Denken ist geprägt von Spiritualität und Askese und seine Theologie folglich Bekenntnis und Betrachtung eines Menschen, der tief gläubig ist. (75) Ihm ist es zu verdanken, daß das Mittelalter mit Augustinus bekannt gemacht wurde. (76) So urteilt auch Jaroslav Pelican:
Trotz dieser anfänglichen Erfolge (78) - der Christianisierung des Königreichs von Kent, dann Wessex und Nordhumbrien den Jahren 624-633 durch die Heirat der Prinzessin Ethelburga (gest. 679) von Kent, Tochter von Ethelbert und Berta (79), mit dem heidnischen König Edwin von Nordhumbrien (617-633), die den römischen Glaubensboten das Tor zum Norden öffnete (80) - sahen sich Augustinus und seine Mönche großen Schwierigkeiten ausgesetzt. Der heidnische König Penda von Merzien (632-654) (81) besiegte und tötete den nun zum Christentum bekehrten König Edwin im Jahre 633. Dies hatte den Zusammenbruch der römischen Mission in Nordhumbrien zur Folge. Es folgte König Oswald, der den christlichen Glauben, allerdings irischer Prägung, wieder einführte. (82) Als Penda auch ihn im Jahre 642 in der Schlacht besiegte und tötete, blieb Nordhumbrien christlich, und die Konversion von Merzien folgte innerhalb der nächsten zwanzig Jahre. (83) Dies war nicht das erste Mal, daß die römischen Missionare auf Schwierigkeiten stießen. Schon sehr früh gab es Konflikte mit der britischen Kirche über Fragen der Moral, des Empfangs der Eucharistie durch unrechtmäßig Verheiratete, der Taufe schwangerer Frauen sowie Zweifel an andersartigen religiösen Praktiken und ihrer Gewohnheiten. Auskunft gibt darüber ein Briefwechsel Augustins mit Papst Gregor aus dem Jahre 601, der diesen bezüglich dieser Punkte um Rat fragte. So bereiteten Augustinus die verschiedenen Meßformen Sorge. Gregor antwortete mit Verständnis und Gespür für die besondere Situation in England und wies Augustinus an, das auszuwählen aus den verschiedenen Kirchen, was ihm besonders gefalle und in die englische Kirche einzuführen. (84) Auf die Frage, wie sie sich gegen die gallischen und britannischen Bischöfe zu verhalten hätten, antwortete Gregor, er solle kraft seiner Autorität die Ungelehrten belehren, die Schwachen ermuntern und aufbauen und die mit Laster Behafteten mit seiner Amtsgewalt als Oberhirte über die englischen Bischöfe zügeln. (85) Unter dem Nachfolger König Edwins, Oswald (um 604-642), der von irischen Mönchen in Hy erzogen worden war und diese um Unterstützung bat, gewann die irische Kirche zunehmend an Einfluß im Norden Englands und drängte die römische Mission vorübergehend völlig in den Hintergrund. Die irische Kirche konnte sich sogar bis nach Wessex ausdehnen. Bischof Aidan (gest. 651) (86) brachte die keltische Kirche nach Nordhumbrien und ließ sich in Lindisfarne nieder. Seine Nachfolger Finan (gest. 661) und Colman (gest. 676) verteidigten die irischen Bräuche gegen die römische Auffassung. (87) Aufgrund der Mission der irischen Mönche und den Bemühungen Augustinus' mit seinen Mönchen vom Süden her konnten Konflikte über konträre Auffassungen kirchlicher Praxis nicht ausbleiben. Es kam zu Kompetenzstreitigkeiten in den schon erwähnten Fragen des Taufritus, der Tonsur und des richtigen Ostertermins. Davon berichtet Beda in seiner Kirchengeschichte folgendermaßen.
Der Disput nahm nach dem Tode Finans im Jahre 661 an Schärfe zu. Beda fährt fort:
Diese Streitfragen sollten auf Veranlassung König Oswius (641-670) auf der Synode zu Whitby im Jahre 663 oder 664 n.Chr. geklärt werden. Wilfrith (634-709/10) (90), ein vornehmer Angelsachse und Wortführer Roms, konnte seine Position gegen die Colmans überzeugend durchsetzen, weil er sich laut Beda auf die Autorität der Apostel Petrus und Paulus bezog, während Colman sich nur auf die Autorität Columbans beziehen konnte, so daß sich König Oswiu für die römische Disziplin und gegen die irischen Praktiken entschied. Beda zitiert ihn folgendermaßen:
Die angelsächsische Kirche übernahm damit den römischen Ritus für Taufe, Lossprechung, Bischofsweihe, Tonsur und weitere liturgische Gebräuche; die religiös-liturgische Einheit Englands war gesichert, wenn auch einzelne keltische Bräuche und Riten bis zur normannischen Eroberung weiterhin praktiziert wurden. (92) Mit dieser Entscheidung wurde der Grundstein gelegt für die kulturell herausragende Stellung Nordhumbriens in der Frage der geistesgeschichtlichen Entwicklung Englands. (93) Rom hatte sich mit der ekklesiastisch-hierarchischen Kirchenstruktur gegen die monastisch-geprägte Kirche Irlands durchgesetzt. Rom konnte mit Gregor auch pastorales Schriftum bieten, während die irische Tradition dem nur Mönchsregeln entgegenzusetzten hatte. (94) Dabei spielt für Gregor die Gnade, und hier bezieht er sich auf Augustinus und benützt die Ausdrücke gratia praeveniens und gratia subsequens, eine zentrale Rolle, ohne die der Mensch nichts Gutes tun und keinen guten Willen haben kann. Die Gnade ist es, die ihn wieder aufrichtet und unterstützend begleitet. Dazu gehört auch wesentlich die Reue als wichtigste Gnadengabe, durch die man dem Endgericht entgeht. Buße ist für ihn die Gnade, die zum Heil führt. (95) Aber nicht nur durch sein Interesse an geistlich-besinnlichem Leben und asketischer Strenge, sondern auch durch sein Verständnis für kirchenpolitische Fragen gelang es ihm, die Autorität Roms in dogmatischen Fragen und Auseinandersetzungen zu festigen, so daß sogar die Entscheidungen ökumenischer Konzilien von Rom ratifiziert werden mußten. Dazu nochmals Jaroslav Pelican:
Wie kein Papst vor ihm stellte er sich den Aufgaben staatlicher Verwaltung und kirchlicher Organisation. 3.3
Die Etablierung der angelsächsischen Kirche Die irischen Gelehrten und Mönche hinterließen jedoch einen bleibenden Eindruck auf Bildung und intellektuelles Leben in der jungen Kirche. Es stellte sich heraus, daß sich die Verbindung von irischer Frömmigkeit mit ihrer Bußdisziplin und asketischer Religiosität und römischem Geist hinsichtlich Autorität und kirchlicher Organisation als fruchtbar erwies. Sie schuf in den Klöstern ein Fundament für ein blühendes geistliches und wissenschaftliches Streben. (99) Nach dem Vorbild von Lindisfarne wurden sie zu religiösen und kulturellen Brennpunkten. Ausgezeichnete Klosterschulen entstanden, beispielsweise in Malmesbury, Canterbury, Wearmouth und Jarrow, Whitby, Ripon, Glastonbury, wo Aldhelm, Beda, Willibrord, Bonifatius lehrten oder im 10. Jahrhundert Eynsham, Cerne Abbas, Worcester, Winchester, Rochester, London, York, etc. mit den herausragenden Theologen Ælfric und Wulfstan. (100) Allerdings wurden im Laufe der Jahre die strengen Sitten des klösterlichen Lebens zunehmend lockerer. In der Einleitung zum Gedicht Guthlac im Exeter-Buch (101) beklagt der Dichter den gegenwärtigen Zustand der Welt, in der der Glaube sich abkühlt, wie die früheren Propheten vorausgesagt hatten, und die Früchte der Erde zugrunde gehen, verwelken.
Sogar die Priester handeln nicht mehr als solche.
Nur einige wenige suchten ihr Heil noch durch das Geben von Almosen oder warteten an einsamen Plätzen in ihrer Liebe zu Christus auf das Himmelreich. Für Dorothy Whitelock nutzt der Autor die Gelegenheit, sich über die Nachlässigkeit bei Vigil und Gebet in den Klöstern zu beschweren. (103) Danach beginnt der Autor mit der Geschichte des Heiligen Guthlac, der selbst als Jüngling Böses getan hatte, bis ein Engel ihn eines Besseren belehrte. (104) Er erzählt, wie Guthlac später von bösen Geistern in Versuchung geführt wurde, der Versuchung widerstand und auf Engels Armen in den Himmel getragen wurde. Damit wurde der Heilige Guthlac in der Zeit nach der Bekehrung zum Christentum zum Vorbild des Kämpfers gegen das Böse schlechthin.
Auch Alfreds Bemühungen
um eine Bildungsreform entsprang der Tatsache, daß die Bildung und
Gelehrsamkeit der Kleriker und Priester sich verschlechtert hatte. Zu
seiner Zeit war das Interesse an monastischen Idealen gering. Die beginnenden
Überfälle der Wikinger gegen Ende des 8.Jahrhunderts
(106) trugen wesentlich dazu bei, daß England, das zu
Beginn der Invasion ein hohes Ansehen im Bereich der Religion, Bildung
und Buchkunst in Europa genoß, am Ende am Boden war und die Kirche
und ihre Priester unfähig waren, ihr Land zu führen. Die christlichen
Ideale gingen verloren, die Sitten in den Klöstern verrohten, das
klösterliche Leben hörte buchstäblich auf zu existieren.
(107) Und die Priester beherrschten die lateinische Sprache
nicht mehr. (108) König Alfred
(109) ist es zu verdanken, daß es nach der Festsetzung
der Wikinger auf der Insel durch die Landung einer großen Dänenarmee
im Jahre 866 zu einer politischen und religiösen Einigung des Landes
kam, nachdem er 878 die entscheidende Schlacht bei Ethandune gewonnen
hatte. (110) Nach der Zerstörung
der Klöster und der Vernichtung der Bücher und Manuskripte war
er es, der sich um die Rückbesinnnung auf die eigentlichen kirchlichen
Aufgaben und um die Erneuerung des kirchlichen Lebens bemühte.
(111) Er gründete Klosterschulen, zog wie sein Vorbild
Karl der Große viele Gelehrte und Theologen an seinen Hof und machte
sich besonders um die Übersetzungen wichtiger klassischer Werke,
wie die Pastoralregel Gregors, Boethius' Trost der Philosophie und die
Soliloquien des Augustinus, verdient. (112) Doch eine innere Reform kirchlichen Zusammenlebens war ebenso unumgänglich.
Die Grundlage dafür wurde in der Regel des Hl.Benedikt gefunden. Auch Cynewulf - und mit ihm
andere Dichter - hat sich dieses beliebten Themas bedient und immer wieder
in seinen Epilogen von der Vergänglichkeit irdischen Besitzes gesprochen
und die Menschen vor dem Endgericht gewarnt. (114)
Ihm ist es nicht nur zu verdanken, daß er durch seine Herrschaft den Grundstein für ein einheitliches Europa gelegt hat, sondern er hatte einen bedeutenden Anteil an der Bildung der geistigen Welt in Europa, indem er in seinen Klöstern die benediktinische Regel verbindlich vorschrieb und die Verbreitung des überlieferten theologischen und kulturellen Wissens maßgeblich unterstützte und förderte. Er versammelte die größten Gelehrten und Theologen wie Alcuin aus York (116) an seinem Hof und mischte sich aktiv in theologische Streitfragen ein. (117) So sieht Biemer in der vom Staate unterstützten Verkündigung die Grundlage für eine Volkskirche, wenn er schreibt:
Diese Reform, die im 10. Jahrhundert in den Klöstern von Cluny (119), Gorze (120), Brogne (121) und Fleury (122) ihren Höhepunkt erreichte, gelangte wahrscheinlich über das Kloster Blandinum in der Nähe Ghents nach England und übte dort im 11. Jahrhundert einen überaus großen Einfluß auf das geistliche Leben aus. (123) Es waren reformeifrige Männer wie die Mönche Ethelwold (um 908-984) (124), Dunstan (um 909-988) (125), Abt von Glastonbury (126), und Oswald (gest.992) (127), Bischof von Worcester und Erzbischof von York, die die Benektinerreform in England weiterverbreiteten. Später wurde Dunstan Erzbischof von Canterbury und damit Primas der englischen Kirche. (128) Aber es waren nicht nur Männer der Kirche, die der kirchlichen Erneuerung in England zum Durchbruch verhalfen. Vor allem König Edgar (959-975) (129) leistete Bedeutsames für die Verbreitung der Regel in England, aber auch die Aristokratie. (130) Im 10. Jahrhundert entstand unter Edgar eine enge Beziehung und Interessengemeinschaft zwischen Kirche und Staat. (131) Gegen Loyalität gab der Herrscher königliches Wohlwollen und Schutz; er konnte sogar Äbte und Äbtissinnen ernennen. Aber nicht alle waren damit einverstanden. Nach Edgars Tod waren es vor allem Teile der Adligen, die den reichen Grundbesitz der Klöster und Kirche kritisierten und angriffen. (132) Wulfstans Sermo Lupi gilt als herausragendes Beispiel, wie die Kanzel im Dienst des Königs stand. Wulfstan (gest. 1023) (133) hat sich immer wieder mit den zeitgenössischen Problemen der Gesellschaft auseinandergesetzt, sich sowohl unter König Æthelred II (134) und dem Dänenkönig Cnut d. Gr (135). für Gesetz und Recht eingesetzt (136) und besonders in der Kirche des Nordens Reformen nach der Däneninvasion eingeleitet. (137) Vor allem Wulfstans bedeutendes Werk Institutes of Polity, Civil and Ecclesiastical (138) muß hier erwähnt werden. Folgendermaßen schreibt er über die Rechte und Pflichten eines christlichen Königs, wobei Politik, Theologie und Moral im Einklang stehen:
Neben Wulfstan war es vor allem
der Benediktinermönch Ælfric (955-1020), der sich um die Bildung
seiner Landsleute im ausgehenden ersten Jahrtausend bemühte. Außer
einem Pastoralbrief an die Priester, in dem er beschreibt, welche Anforderungen
an ihr Amt gestellt werden sowie seinen Predigtjahreszyklen, mit denen
er die Predigt der Priesterschaft verbessern möchte, ist es vor allem
sein Kolloquium, das als eines der ersten englischen Erziehungsdokumente
gilt. (140) Gegen Ende der altchristlichen
Epoche war es mit der Einführung der Kindertaufe zum Zerfall des
Katechumenats gekommen. Auf der anderen Seite waren die meisten Menschen
Analphabeten, so daß über neue Formen der Glaubensunterweisung
nachgedacht werden mußte.Neben Haus- und Laienkatechese durch Tauf-
und Firmpaten muß hier vor allem die Initiative Karls des Gr. ewähnt
werden, Schulen einzurichten. Auch die angelsächsischen und iroschottischen
Glaubensboten hatten durch ihre Betonung auf Gewissensbildung und persönliche
Beichte deutliche Spuren in ihrer Katechese hinterlassen. Darüber
hinaus gab es umfangreiches Medienmaterial wie Reliquien, Statuen, Medaillen,
Rosenkränze und Kreuzwegstationen, mit denen Bildkatechese und Bildmeditation
praktiziert wurde. (143) Die Vertreter
der benediktinischen Erneuerungsbewegung legten großen Wert auf
die Unterrichtung der Katechumenen, um ihnen wenigstens die grundlegendsten
Glaubenslehren zu vermitteln. Um dies zu ereichen, schufen sie die Voraussetzungen
und Institutionen, um die Allgemeinbildung zu heben und die Katechese
zu fördern. (144) Damit wollten
sie den Grundstein für eine universale Bildung legen.
(145) Daß jedoch nicht nur Predigtliteratur und religiöse Übersetzungsprosa zur Glaubensvermittlung beitrugen, sondern auch die angelsächsische Dichtung katechetischen Charakter und damit Aufgaben der Glaubensverkündigung übernahm und theologische und moralische Lehren darlegte, soll im nächsten Teil am Beispiel Cynewulfs ausführlicher dargelegt werden. Doch zuerst gebe ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der christlichen Katechese. 1. Vgl. Trevelyan, 1979, 26. Dazu schreibt A.L. Morton: "The basic unit, then of the Celtic tribes was the kinship group and these groups also based upon real or supposed kinship, rising to the tribe and the nation." (Morton, 1976, 21). 2. Vgl. ebd., 19. Nach dem Zusammenbruch der römischen Vorherrschaft und Gesellschaft blieben nur noch drei Überbleibsel römischer Kultur übrig - das Christentum, die römischen Straßen und die Bedeutung einiger römischer Großstädte wie London. Der Historiker Trevelyan zieht in dieser bedeutendsten Phase früher englischer Geschichte ein negatives Resumée, wenn er urteilt: "The greatest fact in the early history of the island is a negative fact - that the Romans did not succeed in permanently Latinizing Britain as they Latinized France." (Trevelyan, 1979, 28). 3. Tertullian (ca. 150 - 223, 225) erwähnt im 7. Kapitel seines Buches Adversus Judaeos, daß sich Orte, die nicht von Römern besetzt seien, Christus hingegeben hätten: "Britanni into Oceani sui ambitum conclusi. Maurorum gens et Getularum barbaris a Romanis obsidentur, ne regionum suarum findes excedant. Quid de Romanis dicam, qui de legionum suarum praesidiis imperium sunum muniunt, ne trans istas gentes paugere vires regni possunt? Christi autem regnum et nomen ubique porrigitur, ubique creditur, ab ommnibus gentibus supra enumeratis colitur, ubique regnat adoratur, omnibus ubique tributur aequaliter; non regis apud illum major gratia, non barbari alicujus inferior." (Tertullian, Adv. Judaeos, 7, PL 2.2, 651f). Auch Origines spricht um etwa 230 n. Chr. in seinen Homilien von Christen in Britannien (vgl. Loos, 1975, 63). In diesem Zusammenhang ist auch interessant, wenn es sich hier auch um fiktionale Literatur handelt, daß in Marion Zimmer Bradleys neuem Roman Die Wälder von Albion (21993, Frankfurt), der in England während des ersten Jahrhunderts unter der Regierung Kaiser Domitians spielt, bereits zu dieser Zeit die ersten Christen erwähnt werden. 4. Vgl. Kottje, 21978, 12. Es handelte sich um Eborius aus York, Restitus aus London und Adelfius aus Lincoln (Loos, 1963, 63). Die Synode von Arles (314 n. Chr.) war von Kaiser Konstantin einberufen worden, um die Frage der Ketzertaufe und der damit verbundenen donatistischen Streitfrage zu entscheiden. Vgl. hierzu: Baader, 1957, 865; Albert, 1993, 992. 5. 5 Vgl. Laistner, 21976, 136. 6. Vgl. Godfrey, 1962, 37. 7. Vgl. ebd., 38. Auch Pelagius (um 400) stammte aus Britannien oder Irland, was aber nicht zweifelsfrei erwiesen ist. (Vgl. Spindeler, 1963, 251). Zur pelagianischen Kontroverse vgl. Kap. 3.1.2.2, S. 223ff. 8. Die sogenannte Ogham-Schrift stammt aus dem 4. Jahrhundert, wobei der Ursprung umstritten ist. Einige Forscher sehen eine Verbindung mit dem Runenalphabet und dem etruskischen Alphabet, während andere behaupten, es handle sich nur um eine Übertragung aus dem Lateinischen. Die Zeichen für "h" und "z" scheinen gegen eine rein irische Herkunft zu sprechen. Jedenfalls sind etwa 360 kurze zweisprachige Inschriften in lateinisch und irisch auf Grab- und Grenzsteinen erhalten, so daß diese zu den ältesten irischen Sprachdenkmälern zu rechnen sind (vgl. NEB 8, 885). 9. Vgl. Campbell, 1982, 11f. 10. So z.B bei Franzen, 71978, 129 zu finden. Laut Brunhölzl gelang ihm die Festigung der neuen Religion und die Organisation der Kirche gegen den Widerstand der Druiden, wobei das Mönchstum eine wichtige Rolle spielte. Ebenso wurden enge Beziehungen mit Britannien gepflegt (vgl. Brunhölzl, 1975, 157). Allerdings werden die Person Patricks und seine Lebensdaten kontrovers diskutiert. Obwohl es viele zum christlichen Glauben übergetretene Iren gab, waren sie doch in der Minderheit. Das Christentum war zur Zeit Patricks keineswegs die nationale Religion. Im Gegenteil, irische und britische Traditionen betonen heute, daß die Kirche unabhängig von Patrick und erst eine Generation später gegründet wurde (vgl. Morris, 1978, 1), wahrscheinlich sogar erst nach 530 n. Chr. und unter Einfluß der reformierten britisch-keltischen Kirche (vgl. ebd., 11) von Wales aus, von wo Irland möglicherweise Impulse für die lateinische Bildung erhielt. Jedenfalls werden im Catalogus sanctorum Hiberniae aus dem 9. oder 10. Jahrhundert (vgl. HADDAN/ STUBBS, 1878, Councils and ecclesiastical documents relating to Great Britain and Ireland II, II, 292-294) drei Gruppen irischer Heiliger erwähnt, nämlich ordo sanctissimus, ordo sanctior, ordo sanctus. Die zweite Gruppe aus dem 6. Jahrhundert erwähnt Bischöfe und Mönche, die die Liturgie von britischen Heiligen empfangen hätten, nämlich David von Menevia, Doccus und Gildas (vgl. Brunhölzl, 1975, 160). Letzterer gilt als "Lehrer der Briten" (siehe S. 26). Erst in den Auseinandersetzungen im 7. Jahrhundert (siehe unten S. 73) mit Rom wurde Patrick als Gründer der irischen Kirche, "who had been canonically ordained and had conformed with Rome" wiederentdeckt. Daraus läßt sich auch das Interesse an der Überlieferung seiner Schriften und Muirchus Biographie ablesen, "but it also submerged his memory in a flood of added fiction", urteilt John Morris (vgl. ebd., 1). Zu seinen Schriften siehe St. Patrick, His Writings and Muirchu's Life, ed. and transl. by HOOD, A.B.E., London Chichester. Über die Person des Hl.Patrick, vgl. BIELER, L., 1949, The Life and Legend of St.Patrick, Dublin. Zur frühen christlich-irischen Geschichte siehe KENNEY, J.T., 1929, The Sources for the Early History of Ireland, 2 Vols., New York; CORISH, P.J., 1985, The Irish Catholic Experience, A Historical Survey, Dublin; MEYER-SICHERDICK, J., 1980, Gottes Gelehrte Vaganten, Auf den Spuren der irischen Mission und Kultur in Europa, Stuttgart; DELIUS; W., 1954, Geschichte der Irischen Kirche von ihren Anfängen bis ins 12. Jahrhundert, Basel; Die Iren und Europa im frühen Mittelalter, hrsg.v. Löwe, H., 1982, Tübingen; Irland und Europa - Ireland and Europe, hrsg. v. Próinséas Ní Chathain/Richter, M., 1984, Stuttgart; Irland und die Christenheit - Irland and Christendom, hrsg. v. Próinséas Ní Chathain/Richter, M., 1987, Stuttgart. Zur keltischen Kirche in England siehe: HARDINGE, L., 1977, The Celtic Church in Britain, London. 11. Vgl. Speigl, 1994, 1246. 12. Vgl. Bieler, 1963, 6; Brunhölzl, 1975, 157. 13. Vgl. Franzen, 21978, 128. Martin von Tours gilt als Gründer der ältesten Klöster des Abendlandes und war bekannt für seine Missionen in weitgehend heidnischen Gebieten (vgl. Fontaine, 1962, 118). 14. Vgl. Ryan, 1960, 760. 15. Das Datum des Abzugs der Römer wird allgemein mit dem Jahr 407 n. Chr. angegeben, als Konstantin seine Legionen aus England abzog (vgl. Morton, 1976, 31). 16. Vgl. Morton, 1976, 26. 17. Beda, EH I, 22, 100. 18. Godfrey, 1962, 43. 19. "The distinctive character of modern English is Nordic tempered by Welsh, not Welsh tempered by Nordic", schreibt Trevelyan (Trevelyan, 1979, 37). 20. Vgl. Wilson, 1974. 21. In der ältesten walisischen Dichtung, den Gesängen des Taliesien und Aneirin (ca. 6. Jahrhundert), stellen sich die Briten zwar als Christen, nicht aber als Verteidiger des christlichen Landes dar (vgl. hierzu Rockel, 1989). Erst die Elegien aus dem 9. und 10. Jahrhundert weisen christliche Moralvorstellungen auf (vgl. Canu Llywarch Hen; Gesänge des Llywarch Hen). 22. Wilson, 1974, 18. 23. Wilfrith, Bischof von York (634 - 709/10) bekehrte die letzten noch heidnischen Sachsen auf der Isle of Wight um das Jahr 680 n. Chr., nachdem er zuvor neun Monate lang in Rom gefangengehalten und anschließend des Landes verwiesen wurde (vgl. Brechter, 1965, 1124). 24. Vgl. Wilson, 1974, 19. Wilson fährt fort: "Such rapid conversion would also seem to indicate a much stronger church organisation at work in the island during the entire period of the invasions than we have hitherto been willing to admit, an organisation which suffered bitterly at the hands of the invaders but was not destroyed". Seiner Meinung nach gibt es genügend Hinweise für die Möglichkeit, daß die einfallenden Stämme einem andauernden religiösen Einfluß ausgesetzt waren, der die rapide Bekehrung nach Abschluß der Invasion begünstigte (vgl. ebd., 19). 25. Zum Übergang von den Kelten zu den Angelsachsen siehe Britain 400-600: Language and History, hrsg. v. BAMMESBERGER, A./WOLLMAN, A., 1990, Heidelberg. 26. 26 Vgl. Beda, EH I, 12, 100. Sind die literarischen Zeugnisse auch sehr spärlich, so wissen wir in anderer Hinsicht um so mehr über die Zeit des 5. und 6. Jahrhunderts aufgrund archäologischer Ausgrabungen und Funde (vgl. Campell, 1982, 27). So kann man von der Anzahl der gefundenen Gräber Rückschlüsse ziehen auf Zunahme der angelsächsischen Bevölkerung. Darüber hinaus vermögen uns die Grabinhalte mehr zu erzählen "about customs, tastes, and the sources of supply of metal goods than they do about the ethnic origins of the corpses." (ebd., 36). Allerdings vermag die Archäologie nicht zu erkären, was wirklich geschah (ebd., 37). Zu den Grabfunden und Bestattungsriten siehe Anm. 88, S. 49. 27. Beda, EH I, 15, 68. 28. Ebd., 72. 29. Wilson spricht sich gegen die Auffassung Bedas aus, wonach die Germanen nur blutrünstige Barbaren waren und die Insel brandschatzten (vgl. Wilson, 1974, 17). Er bezieht sich hier auf HODGKIN, R.H., 1952, A History of the Anglo-Saxons, 2 Vols, 3rd edition, London, Chapt. 5, 175ff. Vermutlich wollte Beda den Unterschied zwischen dem Heidentum und dem späteren Christentum der "Angli" darstellen. 30. Vgl. Whitelock, 1952, 29. Vgl. hier Battle of Finnsburg und Battle of Maldon, in denen die traditionellen germanischen Heldentugenden gepriesen werden. Nachdem Byrthnoth, der Heerführer der Angelsachsen, gegen die einfallenden Dänen gefallen war, erinnert Ælfwine, der Sohn Ælfrics, seine Krieger erneut an ihren Treueeid: "Gemunan þa mæla þe we oft æt meodo spræcon, þonne we on bence beot ahofon, hæleð on healle, ymbe heard gewinn; nu mæg cunnian hwa cene sy... Ne sceolon me on þære þeode þegenas ætwitan þæt ic of ðisse fyrde feran wille, eard gesecan, nu min ealdor ligeð forheawen æt hilde. Me is þæt hearma mæst; he wæs ægðer min mæg and min hlaford." (Mld 212-215; 220-224). Der Dichter schrieb sein Gedicht gegen Ende des 10. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der der Treueeid gegenüber seinem Herrn kaum noch Gültigkeit besaß, wie Wulfstan in seinem Sermo Lupi ad Anglos über den moralischen Untergang seiner Landsleute berichtet. Gatch schreibt über Battle of Maldon: "...it has been shown that the Battle of Maldon is a poem concerned with the theme of the obligations of loyalty in circumstances which were not conducive to the fullfillment of the ideal." (Gatch, 1971, 134). 31. 31 Trevelyan, 1979, 38. 32. Vgl. Whitelock, 1952, 66. 33. Vgl. Gatch, 1971, 49f. 34. Vgl. Godfrey, 1962, 66. Vgl. hierzu die altenglischen Zaubersprüche The Metrical Charms, in: ASPR VI, 116-128, siehe Introduction, CXXX-CXXXVIII. 35. Auch noch Ælfric im 10. Jahrhundert wendete sich in einer seiner Predigten gegen Weissagung und Aberglaube (vgl. LS XVII). Die heidnischen Praktiken lebten vermutlich im Gebiet des danelaw durch den Einfluß der heidnischen Wikinger wieder auf bzw. wurden durch diese verstärkt in Gebrauch genommen. 36. Vgl. Godfrey, 1962, 66. 37. Vgl. Laistner, 1976, 365. 38. Vgl. Greenfield, 1968, 106. 39. Vgl. Whitelock, 1952, 37. 40. Vgl. Gatch, 1971, 136. Wilhelm G. Busse weist nach, daß sich das angelsächsische Herrscherideal im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt hat. Das mündlich tradierte Herrscherbild der germanischen Stämme, indem der Herrscher noch inmitten seiner Krieger seine Herrschaft, seine Leute und sein Land verteidigt, taucht z.B noch im Gedicht über die Schlacht von Brunanburh auf, einem Gedicht, das eher die historische Perspektive und einen gewissen säkularen Patriotismus bevorzugt durch die Verwendung antiker heroischer Vorstellungen als christlicher Ideale. (Vgl. Bradley, 1982, 516). "Her Æþelstan cyning, eorla dryhten beorna beahgifa, and his broþor eac, Eadmund æþeling, ealdorlagne tir, geslogon æt sæcce sweorda ecgum ymbe Brunanburh. Bordweal clufan, heowan heaþolinde hamora lafan, afaran Æadweardes, swa him geæþele wæs from cneomægum, þæt hi æt campe oft wiþ laþra gehwæne land ealgodon hord and hamas." (Brb 1-10a). Gegen dieses überlieferte Herrscherideal wendet sich dann im 10. Jahrhundert Abt Ælfric, indem er betont, daß es Aufgabe eines guten Herrscher sei, in Zeiten der Bedrohung zu Hause zu bleiben und für seine Krieger zu beten. (Vgl. Busse, 1991, 122). So kommt Busse zu dem Schluß, daß in der zweiten Hälfte des 10. und im frühen 11. Jahrhundert verschiedene Vorstellungen von der Rolle und der Funktion des Herrschers vorkamen: der "Kriegerfürst" aus den mündlich weitergegebenen Heldengeschichten, der "...durch fortitudo zur Herrschaft legitimiert, den königlichen Schatz sinnvoll an seine Krieger verschenkt..." (Busse, 1991, 136) den idealen König verkörpert. Dem entgegengesetzt sieht Busse die klerikale Tradition, die ausgehend von biblischen Vorbildern zunehmend die Aufgabe des Herrschers in seiner religiösen Leitfunktion als guter Hirte sieht, der über seiner Herde wacht (vgl. Busse, 1991, 136). Allerdings hat das von den Klerikern propagierte Herrscherbild in der Lebenspraxis des 10. Jahrhunderts versagt (vgl. Busse, 1991, 137). Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß Cynewulf den Idealtyp des christlichen Herrschers, Konstantin, auch zuerst als Kriegsherr, der inmitten seiner Krieger kurz vor der Schlacht die Kreuzesvision erhält, einführt (vgl. Ele 11-17; 65-78), ihm später aber auch klerikale Züge verleiht (vgl. Ele 194-201). Er selbst bleibt von nun an zu Hause und schickt seine Mutter, das Kreuz Christi zu suchen (vgl. Ele 212-224). Siehe hinsichtlich des Ideals eines christlichen Herrschers auch Kap. 3.2.2.1 über König Konstantin, S. 240; Kap 1.3.3 über die Rolle, die die englischen Könige bei der Durchsetzung der Benediktinerreform in England spielten Anm. 219, S. 83. 41. Vgl. hierzu Greenfield, 1965, Kapitel VI: The Christian Saint as Hero, 80-101, sowie Kapitel VII: Christ as Poetic Hero, 102-123. 42. Vgl. Wrenn, 1967, 103. 43. Vgl. Baugh, 21967, Part I, Chapt.VI., Religious Poetry: Cædmon and His School, 60-69. 44. Vgl. The Junius-Manuscript, ASPR 1, 89-107. Im Exodus-Gedicht wird Moses als Kriegsführer und tapferer Heeresführer charakterisiert. "leoda aldor, horsc and hreðergleaw, herges wisa, freom folctoga. (Ex 12b-14a). Moses ist von Gott der mit den entsprechenden Qualitäten ausgestattete Führer, der für sein Volk, das ihm von Gott anvertraut wurde, sorgt (Ex 19-22a). Dabei ist ihm bewußt, daß er die Macht nur Gott zu verdanken hat (Ex 8-11). Ebenso gelingt ihm und dem Volk der Sieg über die Ägypter nur durch Gottes Unterstützung (Ex 30-32). Die Thematik ist ähnlich wie bei Konstantins Sieg durch das ihm durch Gottes Gnade geoffenbarte Kreuz in Cynewulfs Elene. Wie Moses erweist auch er sich als wahrer christlicher Herrscher. Siehe hierzu unten Kap. 3.2.2.1 Die Gnadenvision Konstantins, S. 240ff. Auch im Christ II fällt die Kongruenz von weltlicher Loyalitätsvorstellung und theologischer Darstellung Jesu Christi auf, wie Milton McC. Gatch bemerkt. Christus hat die Loyalität und den Gehorsam der Menschheit gewonnen und muß nun als Richter entscheiden, wer die Aufnahme in die Heilsgemeinschaft verdient (vgl. Gatch, 1971, 143). Hier konvergieren einerseits das der germanisch-heidnischen Tradition entnommene Herrscher- und Loyalitätsprinzip und die christliche Vorstellung des aufgrund der Gnade Gottes erwählten Führers anderseits. Unter diesem Aspekt interpretiert Gunhild Zimmermann die Gedichte des Junius-Manuskriptes nicht nur theologisch, sondern auch politisch als Spiegelung konkreter politischer Erfahrungen und hält diese Lesart für die damalige Zeit auch für legitim, da die Angelsachsen mit dem Konzept der historia sacra vertraut waren (vgl. Zimmermann, 1994, 23f). Siehe hierzu unten Anm. 166, S. 132. 45. Vgl. The Junius-Manuscript, ASPR 1, 133-158. In Christ and Satan wird in heroischer Diktion beschrieben, wie Christus die Seelen der Menschen rettet: "Hweraf þa to helle hæleða bearnum, meotod þurh mihte; wolde manna rim, fela þusenda, forð gelædan up to eðle. þa com engla sweg, dyne on drægred; hæfde drihten seolf feond oferfohten. Wæs seo fæhðe þa gyt open on uhtan, þa se egsa becom... Let þa up faran ece drihten; wuldre hæfde wites clomma feondum oðfæsted, and heo furðor sceaf in þæt neowle genip, nearwe gebeged, þær nu Satanus swearte þingað, earm aglæca, and þa atolan mid him, witum werige. Nalles wuldres leoht habban moton, ah in helle grund, ne hi edcerres æfre moton wenan seoððan. Him wæs drihten god wrað geworden, sealde him wites clom, atole to æhte, and egsan gryre, dimne and deorcne deaðes scuwan, hatne helle grund, hinsiðgryre." (XSt 398-404; 441-454). Im Gedicht Dream of the Rood des Vercelli-Buches wird Christus als germanischer Held dargestellt. "Ealle ic mihte feondas gefyllan, hwæðre ic fæste stod. Ongyrede hine þa geong hæleð, (þæt wæs god almihtig), strang ond stiðmod. Gestah he on gealgan heanne, modig on manigra gesyhðe, þa he wolde mancyn lysan. Bifode ic þa ma se beorn ymbclypte. Ne dorste ic hwæðre bugan to eorðan, feallan to foldan sceatum, ac ic sceolde fæste standan. Rod wæs ic aræred. Ahof ic ricne cyning, heofona hlaford, hyldan me ne dorste. þurhdrifan hi me mid deorcan næglum. On me syndon þa dolg gesiene, opene inwidhlemmas. Ne dorste ic hira nænigum sceððan. Bysmeredon hie unc butu ætgædere. Eall ic wæs mid blode bestemed, begoten of þæs guman sidan, siððan he hæfde his gast onsended." (DrR 37b-49). 46. Vgl. hierzu Cynewulf, Fates of the Apostles und Juliana. 47. Vgl. Chr II, 795-845. 48. "...it required little modification to turn pre-Christian lines advocating liberality into praises of the christian virtue of almsgiving, or to give a Christian emphasis to the Germanic insistence on the acquisition of a good reputation." (Whitelock, 1952, 208). Die Vorstellung von "Moral" war den heidnischen Angelsachsen völlig neu, da es nur richtiges oder falsches Stammesverhalten, jedoch keine moralische Verpflichtung gegenüber Göttern und Mitmenschen gab. Folglich war die Vermittlung einer Ethik der Liebe an die zum Christentum bekehrten Angelsachsen sehr schwierig, was erklärt, warum Ælfric die Moral in seinen Predigten immer betont. (vgl. hierzu z.B. Ælfrics Predigt über die große Litanei, wo er über das 1. und 2. Liebesgebot spricht - CH II, 314-332). Grundlage der Moral-vorstellung ist Gregors 35 Bücher umfassender Kommentar zum Buch Hiob (Moralia in Iob), der in der frühen Karolingerzeit als Moralhandbuch und klassisches Repertorium diente und zum Grundstock jeder mittelalterlichen Bibliothek gehörte (vgl. Weber, 1960, 1179; Brunhölzl, 1975, 53). Siehe auch Anm. 182, S. 75. 49. James H. Wilson hält jedoch diese Erklärung für das Vorhandensein heroischer und epischer Formen aus der germanischen Tradition vor allem in den Heiligenleben für unzureichend. "It is usual to say, for instance, that Andreas is presented as a comitatus warrior surrounded by traditional images of Germanic battle poetry and sea imagery. We find the same statements concerning other poems, such as Elene, some of the language of Juliana and Guthlac, and passages of Christ" (vgl. Wilson, 1974, 43). Seiner Meinung nach wurde der Einfluß des Alten Testaments in diesen Gedichten übersehen. Dieses wurde bisher nur als Quelle epischen Materials angesehen, um die Zuhörerschaft zu unterhalten. Die alttestamentliche Tradition war bereits den Autoren auf dem Kontinent bekannt. Es gab, so Wilson, sowohl eine Tradition auf dem Kontinent, die in der Suche nach epischem Material zum Alten Testament zurückkehrte, als auch eine exegetische Tradition, die dieses Material christianisierte. Wilson nennt in diesem Zusammenhang vier Autoren im Gallien des 5. Jahrhunderts: Cyprian, Hilarius von Arles, Marius Victor, und Avitus, Bischof von Vienne. Dies hatte auch Auswirkungen auf die altenglische Dichtung, so z.B Passagen im Phoenix, die an die Beschreibung des Paradieses von Avitus erinnern. (vgl. Wilson, 1974, 41). Wilson schreibt weiter: "If Old English Poetry is a part of the whole continental literary tradition, and evidence that it is seems overwhelming, it seems reasonable to assume that Old Testament tradition supplied a large part of the epic atmosphere in which the saints' lives were composed both on the continent and in England. To be sure, tradtional Germanic images appear, but to point to them exclusively and argue on the basis of their presence for a purely Germanic and therefore heathen atmosphere in the treatment is to overlook the essentially Christian heritage of the development." (Wilson, 1974, 43). 50. Der Versuch, die verschiedenen Einflüsse, die auf die angelsächsische Kultur eingewirkt haben, herauszuarbeiten und gegeneinander abzugrenzen, ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, da keine originalen Texte und Manuskripte vor der Christianisierung bekannt sind. Folglich warnt Milton McC. Gatch davor, das angelsächsische England als eine Synthese aus dem germanischen Erbe, das auf die lateinisch-christliche Kultur trifft, zu erklären, die dann die germanischen Ursprünge verdrängt habe. Die Konsequenz daraus wäre dann ein nicht gerade erbaulicher Streit zwischen den "Christianisierern" und den "Germanisierern" (vgl. Gatch, 1971, 102). Denn bereits 1840 schrieb Jacob Grimm in seinem Buch über Andreas und Elene: "Denn der annahme wird jetzt überhaupt wenig widerspruch bevorstehen, dass das deutsche heidenthum seine eigne poesie und sage besessen, ausgebildet, nachher aber gegen das christentum eingebüsst habe. Nicht also gleich liess das Volk von angestammten tiefwurzelnden ausdrucksweisen, und die christliche lehre gestattete oder trachtete selbst, ihren milden sinn, ihr innigeres gefühl der rauen rinde des frischkräftigen holzes heidnischer anschauungen einzuimpfen, woraus zweige trieben und früchte entsprossen, deren künstliches wachsthum etwas gestörtes verräth, noch nicht alle gesunde derbheit der alten säfte verleugnet." (Grimm, 1840, IV-VI,). Vgl. hierzu den Artikel von Joyce Hill über die beiden dominierenden Schulen hinsichtlich der Analyse angelsächsischer Dichtung (vgl. Hill, 1992, 71-85). Siehe dazu oben Anm. 22, S. 5. 51. Vgl. Wardale, 1935, 129. 52. James Wilson vermutet allerdings, daß die germanischen Stämme nicht ganz unvorbereitet mit der Christianisierung, von Gregor und Irland ausgehend, konfrontiert wurden. So jedenfalls erklärt er sich den schnellen Erfolg der Mission. Siehe auch S. 34 sowie S. 35, Anm. 39. 53. Die Tatsache. daß es sich um zwei getrennte Gruppen mit unterschiedlichen Vorstellungen und Ausprägungen handelte, ist für Willi Erzgräber von nicht geringer Bedeutung für das Verständnis der angelsächsischen Literatur hinsichtlich ihres Charakters, ihres Ursprungs und ihrer Überlieferung. Dabei besaßen die irischen Mönche, die die nördlichen und mittelenglischen Gebiete unter ihren Einfluß brachten, einen großzügigeren humanistischen Ansatz, während die Missionstätigkeit der von Papst Gregor gesandten Mönche im Süden Englands durch ein rigoroseres religiöses Leben geprägt war (vgl. Erzgräber, 1989, 25). Zur Religion im angelsächsischen England vgl. Bonner, 1994, 24-44. 54. Siehe oben S. 32. Zum Vorbild der Iren und Angelsachsen siehe See, 1985, 26-29. 55. 55 Der Heilige Brendan, der aus der irischen Grafschaft Kerry stammte, starb im Jahre 577 oder 583 als Abt von Clúain-Ferta, welches er auch gründete. Er bereiste Schottland und besuchte auch den Heiligen Columban von Hy (vgl. Bieler, 1958, 668; Kindermann, 1994, 672). 56. 56 Vgl. hierzu: MÁIRE, H., 1988, Iona, Kells and Derry, The History and Hagiography of the Monastic Familia of Columba, Oxford. 57. Vgl. Ryan, 1960, 762. 58. Beda, EH III, 4, 338-340. 59. Vgl. Beda, EH III, 4, 344. Siehe hierzu auch Kap. 1.1 England vor den Angelsachsen, S. 30. Die Mönchskirche entzog sich dem Primat Roms. Das wird besonders deutlich aus der Korrespondenz zwischen Columban d. J. (um 543-615), Abt von Luxeuil und Bobbio, und Gregor dem Großen. Nach dreißigjähriger Lehrtätigkeit zog Columban im Jahre 591 nach Gallien, wo er in den Streit um den Osterzyklus mit dem gallischen Episkopat geriet. Er und seine Mönche hielten an der irischen Tradition fest (vgl. Hennig, 1961, 404). Im ersten seiner sechs Briefe wandte er sich an Papst Gregor, er möge sich doch für die irische Tradition entscheiden und den Zyklus des Victorius abschaffen, den bereist irische Gelehrte verworfen hätten. "Scia namque nostris magistris et Hibernicis philosophis et sapientissimis componendi calculi computariis Victorium non fuisse receptum, sed magis risu vel venia dignum quam auctoritate" (Ep. 1,5, 6,2 Walker; vgl. hierzu auch den Brief Gregors, Ep. CXXVII, PL 77, 1061-1066). Der zweite Brief (Ep. 4,5, 30, 11 Walker) ist an die gallischen Bischöfe gerichtet, wahrscheinlich an die Synode von Châlon im Jahre 603 mit der Bitte, sie mögen ihn und seine Mönche in der Ausübung ihrer irisch geprägten Religiosität nicht behindern (vgl. Brunhölzl, 1975, 184). Zum Streit um den Ostertermin vgl. hierzu auch Quasten, 1962, 1273-1275 (Lit.!). Weitere Literatur: RYAN, J., 1931, Irish Monasticism, Origins and Early Development, Dublin; BIELER, L., 1961, Irland, Wegbereiter des Mittelalters, Olten; McNEILL, J.T., o.J. (1977), The Celtic Churches, A History. A.D. 200 to 1200, Chicago; BERSCHIN, W., 1982, Die Iren und Europa im früheren Mittelalter, Stuttgart; WARREN, F.E., 1987, The Liturgy and Ritual of the Celtic Church, with a new Introduction by STEVENSON, J., Cambridge. 60. Vgl. Hennig, 1960, 763f. Das Mönchtum wurde von Athanasius d. Gr. ins Abendland gebracht, als er 335 n. Chr. ins Exil nach Trier ging. Es folgten weitere Klostergründungen, so in Mailand durch Ambrosius (gest. 397), in Frankreich die Klöster Ligugé (361) und Marmoutier (um 375) durch Martin von Tours (siehe auch S. 32, bes. Anm. 28) und Lérins durch Honoratus v. Arles (um 410), welches berühmt wurde, da von dort Patricius (siehe auch S. 32) das Mönchtum nach Irland brachte (vgl. Dölger, 1962, 545). Der bedeutendste Vertreter des abendländischen Mönchstums war sicherlich Benedikt von Nursia (gest. um 547), der durch seine Regel die klösterliche Gemeinschaft während der Völkerwanderung festigen konnte. Allerdings gerieten dadurch viele prominente Gestalten des abendländischen Mönchtums und ihre Lebensformen sowie deren theoretische Auseinandersetzungen ins Abseits, was von seiner Wirkungsgeschichte im Mittelalter her beurteilt durchaus eine gewisse Berechtigung hat (vgl. Schindler, 31980, 223). 61. In den klösterlichen Gemeinschaften sollte der Mönch durch sein "demütiges Bekennen seiner bösen Gedanken" vor dem Abt sein Gewissen öffnen. Diese "Verdemütigung" geschah sowohl aus asketischen wie auch disziplinären Motiven heraus (vgl. Läpple, 1985, 40). Die in Irland praktizierte Form der Buße war die Privatbeichte, im Gegensatz zum öffentlichen Bußverfahren, das Jahrhunderte hindurch in Italien, Afrika und Kleinasien praktiziert wurde (vgl. Finkenzeller, 1975, 45; zur geschichtlichen Entwicklung der Bußpraxis siehe unten S. 151, S. 250). Um die Beichte für die Priester zu erleichtern, entstanden gleichzeitig Bußbücher mit einem umfassenden Sündenkatalog sowie Bußanordnungen, die später im ganzen Abendland verwendet wurden (vgl. Franzen, 71978, 130; Läpple, 1985, 40f; auch Kottje, 21978, 27). Weiterführende Literatur zum Thema Bußbücher vgl. VOGEL, C., in: LThK 2, 802-805; Bußdisziplin, RAHNER, K., in: LThk 2, 805-815. Nach Rahner ist die Unterscheidung zwischen "öffentlicher" und "privater" Buße theologisch problematisch, weil die private Buße für schwere Sünden damals wie heute die wesentlichste öffentliche Konsequenz nach sich zieht: den Ausschluß von der Eucharistie. Vgl. auch: The Irish Penitentials (Scriptores Latini Hiberniae 5), ed. BIELER, L., 1963, Dublin. 62. Vgl. Laistner, 21976, 175f. Zur Einführung der benediktinischen Regel in England siehe Dom Chapman, St. Benedict and the Sixth Century, 197ff; ebenso Beda, Vita Sanctorum Abbatum Monasterii, 11, 416. 63. Vgl. Laistner, 21976, 140. Laistner erwähnt in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß viele lateinische Manuskripte nicht nur kopiert, sondern auch glossiert wurden, so z.B. das Bußbuch des Finnian of Clonard (gest. 589) aus dem 6. Jahrhundert und einige weitere Hymnen verschiedener Autoren. Zu den Penitentials vgl. McNEIL, J.T./GAMER, H.M., 1938, Medieval Handbooks of Penance New York, 86ff; Zu den Hymnen vgl. KENNEY, J.F., 1929, The Sources for Early History of Ireland, Vol.1, New York, 261ff. Inwieweit irischer Einfluß auf altenglische Literatur nachzuweisen ist, war schon immer Gegenstand der Untersuchungen; so z.B. CARNEY, J., 1955, Studies in Irish Literature and History, Dublin, Neudruck 1979; DONAHUE, Ch., 1949-51, Beowulf, Ireland and the Natural Good, in: Traditio 7, 1263-277; HENRY, P.L., 1966, The Early English and Celtic Lyric, London. (vgl. Tristram, 1985, 190f) Vgl. auch KELLY, J.F., 1982, Hiberno-Latin Theology, in: Die Iren und Europa im frühen Mittelalter, hrsg.v., LÖWE, H., Stuttgart, 549-567. Wenn jedoch kein Nachweis im strengen textinternen Sinn zu erbringen ist, so kann man dennoch von einem irischen Einfluß im weiteren Sinn sprechen. Für Hildegard Tristram lassen sich Ælfrics und Wulfstans rhythmischer Stil und die Kompositionsmethode durch die Vermittlung der irischen Tradition aus dem spätklassischen Schrifttum herleiten. Dennoch sieht sie in der englischen Tradition eine größere Komplexität, Abstraktion, Systematik und Allgemein-verbindlichkeit als in der irischen (vgl. Tristram, 1985, 191f). Der Grund, warum Irland der geistigen Blüte gegen Ende des ersten Jahrtausends nichts entgegensetzen konnte, liegt für Tristram in der Tatsache, daß Irland zu sehr am Rande Europas lag, um an der karolingischen Erneuerung teilhaben zu können (vgl. ebd., 190). Den größten Einfluß auf die europäische Kultur übten die Iren jedoch durch ihren Missionseifer aus. Auch die zum Christentum bekehrten Angelsachsen haben die irische Form der Glaubensunterweisung durch die wandernden Mönche weitgehend beibehalten. Als herausragende Persönlichkeit sei hier an den Hl. Bonifatius erinnert, der großen Anteil an der Bekehrung der Germanen und am Aufbau der Kirchenstruktur im Deutschland des frühen Mittelalters hatte. Zum Thema peregrinatio, peregrinus, siehe: KENNEY, J.F., 1929, The Sources for the Early History of Ireland, 2 Vols., New York, 488-489. Dieser Einfluß der Peregrinus-Tradition läßt sich auch in der altenglischen Dichtung wiederfinden. So z.B. in The Seafarer; Wanderer, Ruin, etc.. Auch Cynewulfs Allegorie des Lebens als Seereise im Epilog zu Christ II gehört letztlich zu dieser Tradition. 64. Die Glocke als Glaubenssymbol ist älter als das Christentum, wurde aber von Christen benutzt, um damit religiöse Zeremonien zu vollziehen. Glocken, die zum Gottesdienst rufen, treten zuerst in den Klöstern auf, sind aber im Abendland nicht vor dem 6. Jahrhundert erwähnt (vgl. Heinz-Mohr, 91988, 117). Darüber hinaus wurden und werden sie benutzt, freudige und leidvolle Ereignisse wie z.B. Tod, Taufe, Hochzeit, aber auch Krieg, Frieden, Feuer und Wassernot den Gläubigen zu verkünden. Schon von alters her diente sie auch zur Abwehr von Dämonen. Glokkenweihen, Bannsprüche etc. sollten darüber hinaus die Wirkung verstärken und spezifizieren (vgl. Beitl, 1960, 965). Die Glockenweihe wurde vom Bischof oder einem beauftragten Priester vorgenommen und machte die Glocke damit zum Sakramentale. Die älteste Form der Weihe stammt aus Gallien (vgl. Benz, 1960, 966). 65. Zur Regel des Heiligen Benedikt siehe SCHINDLER, A., 31980, Die Anfänge des Mönchtums, in: Ökumenische Kirchengeschichte I, Alte Kirche und Ostkirche, hrsg. v., KOTTJE, R./MOELLER, B., Mainz, 199-223, bes. 222f. 66. Vgl. Kottje, 21978, 27. Weitere Literatur: ANGENENDT, A., 1972, Monarchi peregrini, Studien zu Pirmin und den monastischen Vorstellungen des frühen Mittelalters; PRINZ, Fr., 1965, Frühes Mönchtum im Frankenreich; SCHIEFFER, Th., 1954 (neudr.1972), Winfried-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas; STUTZ, U., 1895, Nachdr.1963, Die Eigenkirche als Element des mittelalterlichen germanischen Kirchenrechts. 67. Vgl. Beda, EH I, Chapt.23, 100ff. Zu Augustinus siehe HOWARTH, H.H., 1913, Saint Augustin of Canterbury, London. 68. Gregor der Große, aus senatorischem Adel stammend, wurde 579 von Benedikt I. oder Pelagius II. zum Regionardiakon geweiht, bevor er von Pelagius II. 579 als Apokrisiar nach Byzanz geschickt wurde. Als Berater von Pelagius II. wurde er nach dessen Tod 590 zum Papst gewählt und konnte durch seine Beziehungen zum fränkischen Königshaus die Mission der Angelsachsen in die Wege leiten. (Vgl. Weber, 1960, 1178). Zu dem ersten überlieferten Kontakt mit den Iren kam es vom fränkischen Boden aus, als sich Columban aufgrund einer Auseinandersetzung mit den fränkischen Bischöfen an Gregor wandte (vgl. Kottje, 21978, 21; Brunhölzl, 1975, 60). Zu Gregor dem Großen vgl. auch Altenberg, 1991, 799-801 (Lit.!); Brunhölzl, 1975, 50-59; Franzen/Bäumer, 1974, 84-90; Franzen, 71978, 133-135; Kottje, 21978, 19-22. 69. Vgl. Kottje, 21978, 22. 70. Vgl. Franzen/Bäumer, 1974, 89. 71. Vgl. die Ep. 28 (PL 77, 1138-1144); Ep. 64 (PL 77, 1183-1200); Ep. 65 (PL 77, 1200f). 72. Gregor, Ep. LXXVI, Pl 77, 1215f. Siehe auch Beda, EH I, 30, 162. Weitere Literatur: MEYVAERT, P., 1977, Benedict, Gregory, Bede and others; GATCH, M.McC., 1991, Resources for the Study of Gregory the Great in Anglo-Saxon England, paper given to the Twenty-Sixth International Congress on Medieval Studies, the Medieval Institute, Western-Michigan Univ., May 9-12,'91, in: OENL 24, 3, 1991, A-6. 73. Vgl. Brechter, 1957, 1102. Augustinus konnte den Ausbau der Hierarchie jedoch nicht mehr vollenden. Er weihte lediglich die Bischöfe Mellitus für London und Justus für Rochester, errichtete aber in seiner Metropole Canterbury die berühmte Christ Church. Weitere Literatur zu Augustinus: BROU, A., 51900, S. Augustin de Canterbéry, Paris; HOWORTH, H.H., 1913, The Birth of the English Church, London; BRECHTER, S., 1941, Die Quellen zur Angelsachsenmission Gregors d. Gr., Münster. 74. Vgl. Weber, 1960, 1178f. Über sein Leben gibt es drei legendäre Viten; die älteste stammt von einem Mönch aus Whitby (um 713: GASQUET, A.F., 1904, London) sowie von Paulus Diakonus (nach 760: GRISAR, H., 1887, ZKTh 11, 158-173) und Johannes Diaconus (872/882: PL 75, 59-242). Vgl. hierzu Ælfrics Predigt über den Hl. Gregor, in seinen Katholischen Predigten, CH II, 116ff. Zu den Quellen zu dieser Predigt vgl. FÖRSTER, M:, 1892, Über die Quellen von Ælfrics Homilae Catholicae I, Legenden, Danzig; GODDEN, M., 1968, The Sources of Ælfric's Homily on St.Gregory, in: Anglia 86, 79-88. Weitere Literatur zu den Heiligenleben, siehe: JONES, C.W., 1947, Saints' Lives and Chronicles in Early England, Ithaca. N.Y.; COLGRAVE, B., 1958, The Earliest Saints' Lives Written in England, in: PBA XLIV, 35-60. 75. Vgl. Kottje, 21978, 22. 76. Vgl. Franzen/Bäumer, 1974, 90. 77. Pelican, 1971, 356. 78. Vgl. hierzu Gregors Brief an Augustinus (Ep. XXVIII, PL 77, 1138-1144), in dem er seiner Freude über die Bekehrung der Angelsachsen Ausdruck verleiht. 79. Vgl. hierzu Gregors Briefe an Æthelbert, Ep. LXVI (PL 77, 1201-1204; EH I, 23, 168-174) und an Bertha, Ep. XXIX (PL 77, 1141f). Bertha, die Frau des Königs Ethelbert von Kent, war eine Christin aus dem Frankenland, schien sich aber nicht sehr um die Bekehrung der Angelsachsen gekümmert zu haben (vgl. Brechter, 1958, 263). 80. Vgl. Brechter, 1959, 667. 81. Vgl. NEB 9, 255. Penda kam wahrscheinlich im Jahre 626 auf den Thron, doch ist es wahrscheinlich, daß er erst 633 König wurde. Penda blieb bis zuletzt Heide, erlaubte aber seinem Sohn Peada, das Christentum einzuführen. 82. Vgl. Morton 1976, 41. 83. Vgl. Beda, EH, III, 1, 324ff. 84. "Cum una sit fides, cur sunt Ecclesiarum consuetudines tam diversæ; et altera consuetudo missarum est in Romana Ecclesia, atque altera in Galliarum Ecclesiis tenetur?" (Gregor Ep. XLIV, PL 77, 1186f). Augustinus bezieht sich hier auf die unterschiedlichen Gewohn-heiten in der römischen und gallischen Kirche. 85. Vgl. Gregor, Ep. XLIV 77, 1192. Allerdings wurde Augustinus von Gregor dem Gr. die Amtsgewalt nur über die britischen, nicht jedoch über die gallischen Bischöfe übertragen. Offensichtlich gab es schon vor der Ankunft des Augustinus unter den Ureinwohnern Bischöfe, die jedoch auf die Bekehrung der Angelsachsen keinen Einfluß ausüben wollten. Siehe auch oben S. 30, S. 34. Schon im 6. Jahrhundert gab es wahrscheinlich Kontakte zwischen dem Mönchtum in Wales und Irland, dessen Vertreter Finnian (gest. 549) war (vgl. Bieler, 1960, 141; siehe oben S. 32, Anm. 25). Augustinus versuchte jedenfalls bereits kurz nach 604 n. Chr. vergeblich, während zweier Missionsreisen in den Westen seine Autorität auf die britische Kirche auszudehnen (vgl. Campbell, 1982, 45; Vollrath, 1993, 1247). 86. Aidan, Mönch von Iona und später Bischof von Lindisfarne, wurde von Oswald zur Bekehrung der Angelsachsen berufen. Das von ihm gegründete Kloster von Lindisfarne wurde Zentrum und Ausgangspunkt für viele Zellen des irischen Mönchtums (vgl. Zimmermann, 1957, 226; ebenso Beda EH I, 14-17, 393-412). Sein Nachfolger war Cuthbert (634/635-687), der Nordhumbrien evangelisierte und bis in den Süden vordrang, wo er auf römische Missionare traf (vgl. NEB 16,354). 87. Vgl. Ryan, 1960, 762. Vgl. auch Beda EH III 17, 407ff; 25, 457ff. 88. Beda, EH I, 25, 458. 89. Beda, ebd., 460. 90. Wilfrith, geboren 634 und aus vornehmem Geschlecht stammend wurde zuerst in Lindisfarne erzogen, bevor er 652 zuerst nach Canterbury und dann nach Rom ging. Dort lernte er offensichtlich die "bessere" Liturgie und das bessere Klosterleben kennen, was ihn veranlaßte, sich nach seiner Rückkehr im Jahre 660 ganz der römischen Mission zu verschreiben und sowohl die Liturgie Roms als auch die Regel des Hl.Benedikt überall einzuführen (vgl NEB 12, 659f; vgl. auch Brechter, 1965, 1124). Siehe oben Anm. 38, S. 38. 91. Ebd. 476. Vgl. auch Vita Wilfredi, Colgrave, 1927, Cambridge (repr. 1986). Die Datierung des Osterfestes hat immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt. Während des 1. Konzils von Nizäa folgte die Kirche einem 84jährigen Zyklus, wogegen die Kirche in Alexandrien den Ostertag nach dem sogenannten anatolischen Zyklus berechnete. Ein Ausgleich gelang erst Dionysius Exiguus (um 470-550), der im Jahre 525 den alexandrinischen Zyklus des Kyrillos in Rom durchsetzten konnte (vgl. Lenzenweger, 1959, 406), allerdings nicht in Irland, wo nach wie vor Ostern nach dem alten 84jährigen, von Sulpicius verbesserten Zyklus Roms berechnet und von Columban bis nach Gallien verbreitet wurde. Die angelsächsischen Missionare hatten jedoch bereits den neuen Zyklus übernommen. Endgültig wurde der Streit um den korrekten Ostertermin erst im Jahre 729 mit der Annahme der alexandrinisch-dionysischen Berechnungsweise beigelegt (vgl. Quasten 1962, 1275). 92. Vgl. Schmitt, 1965, 1083. Zum irischen Einfluß nach der Synode von Whitby vgl. KELLY, J.F., 1975, Irish Influence in England after the Synod of Whitby: Some New Evidence, in: Éire - Ireland 10 (1975), 35-47. 93. Vgl. Tristram, 1985, 193. Einige Autoren behaupten, daß die frühen Evangelien von Durham und Echternach und die Lindisfarne-Evangelien eben nach Lindisfarne gehören (vgl. BROWN, J.T, 1972, Northumbria and the Book of Kells, in: ASE 1, 219-246). Auch das Buch von Kells stammt wahrscheinlich aus Schottland oder Northumbrien (vgl. BIELER, L., 1976, Ireland's Contribution to Northumbrian Culture, in: Famulus Christi, ed. by BONNER, G., London, 210-228). Die Vita von Ceolfrid in Bedas Vita Sanctorum Abbatum Monasterii (in Bede, EH II, 392-445) zeugt von der engen Beziehung Englands mit dem Kontinent. Er war es, der die Bibliothek Benedikts vergößerte und ihr drei Manuskripte des Alten und Neuen Testamentes der Kopie, die er von Rom mitbrachte, hinzufügte. (Vgl. Beda, 428). Dadurch können wir heute die lateinische Bibel von Jarrow und Wearmouth mit dem Codex Amiatinus von Florenz, identifizieren (vgl. Greenfield, 1965, 14, Anm. 12). 94. Zur pastoralen Theologie Gregors vgl. Mühlenberg, 1982, 486-496. Die Grundlage der pastoralen Aufgabe des Seelenhirten schrieb Gregor in seinem Liber Regulae Pastoralis nieder (etwa um 591). Er sieht die Aufgabe des Seelenhirten sowohl in der Sorge um das äußere Wohl als auch um das Seelenheil der Menschen. Er unterscheidet zwischen dem aktiven und dem kontemplativen Leben. Das aktive Leben ist unerläßliche Vorbereitung auf das kontemplative, aber auch mehr, denn es veranlaßt den Menschen, seine Gottesschau ins aktive Leben einzubauen und damit zu befruchten (vgl. Mühlenberg, 1982, 489f). Damit gelingt ihm, die zentralen Themen augustinischer Theologie - Gnade, Prädestination und Christologie - pastoral umzudeuten: "Die Gnade wird zur Reue, die Prädestination in ihrem Dunkel zur Helle einer Erziehung zur Demut, und die Christologie erweitert das Leiden Christi zu einem kirchlichen Geschehen." (Ebd., 492). Für Ekkehard Mühlenberg ist Gregor der Große der Seelenhirte, der die Menschen im Anblick des Weltenendes zur Buße leiten will. Gregors Priester- und Bischofsbild verdient somit in der Tat die Bezeichnung "servus servorum Dei" (Altenberg, 1991, 799). 95. Mühlenberg, 1982, 492ff. Damit sind auch die zentralen Themen zu Cynewulfs Theologie formuliert, der seinem Christ II eine Homilie Gregors (Homilia XXIV) zugrunde legte. Zu den Gnadengaben im Christ II, die der Heilige Geist schenkt siehe 258. Zum Bußgedanken angesichts des Endgerichts in der Elene siehe unten S. 148ff; zur Gnadenerfahrung, S. 250ff. 96. 96 Pelican, 1971, 356. Unter seinem Pontifikat wurde der Grundstein zum späteren Kirchenstaat gelegt (vgl. Altenberg, 1991, 794). 97. Vgl. Whitelock, 1952, 161. Für die Theologie im 7. Jahrhundert jedoch ist nach Laistner die irische Tradition des Lehrens und Lernens die interessanteste (vgl. Laistner, 1976, 143). 98. Vgl. Pelican, 1971, 355f. 99. Vgl. Franzen, 71978, 134. Vgl. auch Whitelock, 1952, 169f. Die Bildungszentren in England blieben eben bis zur Normanneneroberung im Gegensatz zum Kontinent die Klöster. Als Beispiel sei auf das Cadmug-Evangeliar aus dem 8. Jahrhundert hingewiesen. Die Iren waren auch die ersten, die die Übersetzung des lateinischen Begriffs gratia benutzten. Siehe unten S. 207f. 100. Vgl. Brechter, 1957, 539; Vollrath, 1993, 652f (Lit.!) Zur angelsächsischen Mission vgl. Angenendt, 1993, 653 (Lit.!). Weitere Literatur zur angelsächsischen Kirche: HADDAN, A.W./STUBBS, W., 1869-1878, Councils and Ecclesiastical Documents relating to Great Britain and Ireland, Oxford; CHAMBERS, R.W., 1926, England before the Norman Conquest, London; BRECHTER, S., 1941, Die QQ zur A.-Mission Gregors d. Gr., Münster; STENTON, 21947; DEANSLEY, M., 21963, The Preconquest Church in England, London. 101. S.A.J. Bradley datiert das Gedicht traditionell ins späte 8. Jahrhundert. Die lateinische Version entstand wahrscheinlich in der Zeit von 730 bis 749, als König Ælfwolf von East Anglia starb, dem Felix dieses Werk widmete (vgl. Bradley, 1982, 249). Pilch/Tristram nehmen eine Entstehungszeit um 800 an (vgl. Pilch/Tristram, 1979, 199). Über Guthlacs Leben existiert darüber hinaus noch eine altenglische Predigt im Vercelli-Kodex Prose Life of St. Guthlac (fol. 133b-135b) "Wæs þær in þam sprecenan iglande sum mycel hlæw of eorþan geworht" (vgl. ASPR II, XX). Vgl auch COLGRAVE, B., 1956, The Life of St.Guthlac, Cambridge. 102. Genauso klagen Alfred und Ælfric in den Vorworten zu den Bibelübersetzungen bzw. Predigten. 103. Vgl. Whitelock, 1952, 172. In der Vorstellung jener Zeit konnte man die Zerstörung von Lindisfarne im Jahre 793 jedenfalls nicht anders erkären, als daß Gott mit den Klöstern unzufrieden gewesen sei. Ob man hieraus eine Beschreibung zur zeitgenössischen Situation der Kirche im 8. Jahrhundert herauslesen kann, ist nicht sicher. Vielleicht handelt es sich nur ein ein allgemein literarisches Topos zum "Verfall der Sitten". Dem steht allerdings Alfreds Zeugnis über den Zerfall des Bildungswesens schon vor der Däneninvasion entgegen (vgl. ebd., 172). 104. 104 Vgl. Glc 108-133. 105. Southern, 1970, 217. 106. Die Angelsachsenchronik nennt das Datum des 18. Juni 793 als den Beginn der Dänenkriege durch die Zerstörung der Kirche in Lindisfarne (vgl. Morton, 1976, 46f). 107. 107 Vgl. White, 1898, 17. 108. Vgl. die Bemühungen und die Übersetzungsprogramme Alfreds und Ælfrics um die Bildung ihrer Landsleute durch die Volkssprachlichkeit. Werferth von Worcester begann seine Arbeit mit der Übersetzung der Dialoge Gregors des Großen sowie Heiligen- und Wundergeschichten, während Alfred selbst die Cura Pastoralis in Angriff nahm (vgl. Schnith, 1991, 72). 109. Zu Alfred d. Großen siehe Schnith, 1991, 71-75. Schriften (Übersetzungen Alfreds und seines Kreises): Gregor der Große, Dialogi, hrsg. v. HECHT, H., 1900, Leipzig; Gregor der Große, Cura Pastoralis, ed. by SWEET, H., 1871-72, London (2 Bde.); Orosius, Historiae, ed. by SWEET, H., 1883, London; Beda Venerabilis, Historia Ecclesiastica, hrsg. v. SCHIPPER, J., 1897, Leipzig; Boethius, De Consolatione Philosophiae, ed. by SEDGEFIELD, W.J., 1899, Oxford; Augustinus, Soliloquia, hrsg. v. ENDTER, W., 1922, Hamburg. Quellen zu Alfred: The Anglo-Saxon Chronicle, ed. by THORPE, B., 1861, London, 2 Bde.; The Anglo-Saxon Chronicle, trans. WHITELOCK, D./DOUGLAS, D.C./TUCKER, S.I., 1961, London and New Brunswick, N.J.; Asser's Life of King Alfred, ed. by STEVENSON, W.H., 1904, (Neudruck 1959, mit Ergänzungen von Dorothy Whitelock), Oxford; Gesetze der Angelsachsen 601-925, hrsg. v. ECKHARDT, K.A., 1958, Göttingen (mit deutscher Übersetzung). Siehe auch: The Whole Works of Alfred the Great, ed.by GILES, J.A., 1858, London. Literatur: BROWNE, G.F., 1920, King Alfred's Books, London New York; DUCKETT, E.S., 1956/1957, Alfred the Great: The King and his England, Chicago, London; EARLE, J., 1901, The Alfred Jewel, Oxford; HAYWARD, F.H., 1935, Alfred the Great, London; HELM, P.J., 1963, Alfred the Great, London; HEROLD, C., 1968, The Morphology of King Alfred's Translation of the Orosius, Den Haag Paris; LEES, B.A., 1919, Alfred the Great: The Truthteller, Maker of England, 848-899, New York London; OTTEN, K., 1964, König Alfreds Boethius, Tübingen; PAYNE, F. A., 1968, King Alfred and Boethius, Madison; PLUMMER, C., 1902, The Life and Times of Alfred the Great, Oxford; SISAM, K., 1953, Studies in the History of Old English Literature, Oxford, 140-147; SWANTON, M., 1987, English Literature before Chaucer, London; WENSKUS, R./KUHN, H., Alfred der Große, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 1, 167ff (Lit.!); WHITELOCK, D., 1966, The Prose of Alfred's Reign, in: Continuations and Beginnings, Studies in Old English Literature, ed.by STANLEY, E.G., London, 67f; WOODRUFF, D., 1974, The life and times of Alfred the Great, London; YORKE, B, 1990, Kings and Kingdoms of Early Anglo-Saxon England, London. 110. Vgl. Morton, 1976, 49. 111. Vgl. Zimmermann, 21978, 55. 112. Vgl. Brechter, 1957, 334f; Spitzbart, 1993, 390f. Alfred, der bis zum zwölften Lebensjahr Analphabet war - "usque ad duodecimum aetatis annum, aut eo amplius, illiteratus permansit" -, wie uns sein Biograph Asser berichtet (Asser, De Rebus Gestis Ælfredi, 22, 20), brachte sich selbst Schreiben und Lesen in lateinischer und englischer Sprache bei, was Karl dem Großen nie gelang (vgl. Morton, 1976, 50). Im 23. Kapitel (vgl. Asser, 22, 20) berichtet uns Asser, wie er ein Buch über angelsäschsische Dichtung - "Saxonicum poematicae artis librum" - von seiner Mutter bekam, es auswendig lernte und es seiner Mutter rezitierte - "Quo lecto, matri retulit et recitavit". Vgl. auch Kapitel 77 (Asser, 77, 62f), in dem Asser berichtet, daß ihm Bücher vorgelesen wurden, bevor er lesen lernte. Alfred holte Gelehrte vom Kontinent und sogar von Wales, da er erkannte, daß man zur Sicherung des Staatsgebäudes eine verbreiterte und vertiefte Bildungsgrundlage benötigte (vgl. Schnith, 1991, 71). "Sed, cum adhuc nec in hoc quoque regalis avaritia, sed tamen laudabilis, grata esset, legatos ultra mare ad Galliam magistros acquirere direxit, indeque advocavit Grimbaldum, sacerdotem et monachum, venerabilem videlicet viirum, cantatorem optimum, et omni modo ecclesiasticis disciplinis et in divina scriptura eruditissimum, et omnibus bonis moribus ornatum." (Asser, 78, 63). Brunhölzl weist jedoch auf wesentliche Unterschiede zur karolingischen Renaissance hin. Im Gegensatz zum Reformgedanken Karls d. Großen weise die Bildungsreform Alfreds keine universalen Gedanken auf, sondern beschränke sich auf das angelsächsische Königtum. Darüber hinaus handle es sich um keine humanistische, sondern um eine realistische Reform, da Alfred Bildung jedem zugänglich machen wollte und die Texte in die Volkssprache übersetzen ließ, er sich also vom lateinischen Vorbild loslöste. So gilt er als "Schöpfer der altenglischen Prosa" (vgl. Brunhölzl, 1992, 507). 113. Vgl. Southern 1970, 28. Zwar gab es noch andere Regeln, z.B. regula magistri (vgl. MUNDO, A., 1958, in: LThK, 8, 1103f) oder die regula monachorum des Columban von Luxeuil (vgl. Hennig, J., 1963, in: LThK 8, 1104), doch die Regel des Heiligen Benedikt konnte sich durchsetzen. Schon im 7. Jahrhundert wurde sie von der Synode in Autun für alle Mönche für verbindlich erklärt. Karl der Große besorgte sich eine Abschrift aus Montecassino und führte sie in allen Klöstern ein (vgl. Redlich, 1958, 195). Zur Edition der benedikt. Regel siehe ARROYO, G., 1947, S. Benedicti Reg. cum concordantia, Silos. 114. In dieser Thematik läßt sich möglicherweise ein weiteres Argument für die These der Spätdatierung altenglischer Gedichte finden, denn diese Thematik taucht auch in vielen Predigten des Vercelli-Buches auf, so z.B. in Predigt III über das Jüngste Gericht und die Höllenqualen (fol. 59a-61); Predigt V über die Vergänglichkeit der Welt (fol 65a.71a). Für die Kirche hatte dies einen positiven Nebeneffekt, denn mit der Angst ihrer Gläubigen vor den ewigen Verdammnis konnte sie ihren Besitz ständig vergrößern, wie folgendes Zitat deutlich macht. "Amid this fleeting and transitory world, all visible things hasten to their end more quickly than the wind, but the things which are not seen remain fixed and immutable forever. Seeking therefore to use our transitory and temporal riches to procure eternal reward and lasting joys...I give to the bishop and monastery of Worcester this piece of land to remain free from all human service till the end of time." (Hemingi Cartularium Ecclesiae Wigornensis, ed T. Hearne,1723, ii 345, zit. in: Southern, 1970, 29. Ähnlich drastisch urteilt auch der Historiker Morton, wenn er schreibt: "Because the priests of the new religion were the only literate class they became a permanent bureaucracy, easily imposing their ideas upon the slower-witted kings and thanes..."All kinds of devices, from the invocation of the terrors of Hell to plain forgery, were adopted by the church to secure land." (Morton, 1976, 43). 115. Southern, 1970, 224. 116. Alcuin gilt als "Bildungsminister" Karls d. Großen. Er hatte bereits in England York zum Hauptbildungszentrum gemacht, wo er von 782-796 die Domschule leitete. Zu Alcuin siehe Bernt, 31993, 397f; Ellard, 1957, 340f; See, 1985, 36; Wormald, 1982, 101-128. 117. Vgl. Fleckenstein, 1960, 1354-1356. Karl ließ die 7. Ökumenische Synode, die die Frage des Bilderkultes beendete, auf der Synode in Frankfurt im Jahre 794 unter seinem Vorsitz als häretisch verurteilen. Ebenso wurde der sogenannte "spanische Adoptianismus" verworfen. Vgl., Zimmermann, 21978, 35-59, bes. 38f. Zum Bilderstreit vgl. BAUS, K., 1960, Bilderstreit, in: LThk 2, 461-463. Zur Synode von Frankfurt, vgl., BAUS,K., 1960, Synode von 794, in LThK 4, 258. Vgl. auch MÜHLENBERG, 1982, 513-523 (Lit.!); Laistner, 21976, Chapt. XII, The Literature of the Carolingian Age: Theology, 286-314. Zu den theologischen Streitfragen siehe oben S. 12. 118. Biemer, 1970, 312. 119. Cluny wurde um 908 von Wilhelm von Aquitanien gegründet, um gegen die Hauptursache des kirchlichen Niedergangs durch Unfreiheit und Schutzlosigkeit der Klöster anzuge-gehen. Das Kloster wurde mit innerer und äußerer Freiheit - freie Abtswahl bzw. Unterstellung unter den Hl.Stuhl - sowie mit diversen Schutzprivilegien ausgestattet (vgl. Bauerreis, 1958, 1240; Engelbert, 1994, 1237). Von Cluny ging die bedeutendste monastische Bewegung des Mittelalters auf der Grundlage der Benediktregel aus (vgl. Senger, 1958, 1238). Für ihren Erfolg gibt es vier Hauptursachen: Organisation, ihr ekklesiologisches Ideal, ihre Bindung an die Feudalgesellschaft sowie ihr Gemeinschafts-bewußtsein und ihre soziale Leistung (vgl. Engelbert, 1994, 1235f). 120. Gorze wurde im Jahre 749 von Bischof Chrodegang von Metz gegründet und strebte unabhängig von Cluny nach einer Erneuerung des monastischen Lebens. Die Bewegung wurde vom lothringischen Adel und dem Episkopat gefördert (vgl. Fleckenstein, 1960, 1061). 121. 121 Gegründet wurde Brogne im Jahre 918/919 durch Gerard von Brogne als Kloster für Kleriker und Stiftsherren. 928 lösten Mönche die Stiftsherren ab und nahmen die Benediktregel an (vgl. Stiennon, 1958, 702). 122. Fleury, gegründet um 651 von Abt Leodobad von Aniane, wurde berühmt als Wallfahrtsort durch die Übertragung der Gebeine des Hl. Benedikt. Nach der Zerstörung durch die Normannen wurde es für die cluniazensische Reformbewegung gewonnen und wurde bald zum Mittelpunkt dieser Bewegung. Seine Gebräuche gingen in viele Klöster Lothringens, Frankreichs und Englands ein (vgl. Hilpisch, 1960, 167). Hier hatten sich auch Æthelwolds Schüler Osgar und Erzbischof Odas Neffe Oswald aufgehalten. Oswald beschäftigte sich nicht nur mit dem Mönchtum, sondern kümmerte sich auch um die Belange der Diözesen. Ihm ging es um die Bildung und Moral des Klerus, weil er dadurch auch den Bildungsstand des Volkes verbessern wollte (vgl. NEB 29, 29). 123. Vgl. Stafford, 1978, 12. 124. Ethelwold, der aus dem Kloster von Glastonbury stammte, wurde im Jahre 954 Abt von Abingdon und schließlich 963 Bischof von Winchester. Er gilt als der Hauptautor der Regularis Concordia (vgl. Schmitt, 1959, 1120f). 125. Vgl. Schmitt, 1959, 605f. 126. 126 Vgl. Schmitt, 1959, 913. 127. Oswald, 1962, 1296f. 128. Vgl. Zimmermann, 21978, 55. Dunstan wurde 955 von König Eadwig nach Blandinium verbannt, wo er das Mönchtum der benediktinischen Reformer studieren konnte. Von König Edgar im Jahre 957 nach England zurückgeholt wurde er neben Æthelwold und Oswald zum wichtigsten Vertreter der benediktinischen Erneuerung (vgl. NEB 4, 274f). Eines der wichtigsten Bücher zu diesem Thema stammt von KNOWLES, D., 1950, The Monastic Order in England, A History of its development from the times of St. Dunstan to the Fourth Lateran Council, 943-1216, Cambridge; ders., 21956, The Religious Orders in England, Cambridge; KNOWLES.D./HADCOCK,R.N., 1953, Medieval Religious Houses in England and Wales, London. Weitere Literatur siehe Tenth-Century Studies. Essays in Commemoration of the Millennium of the Council of Winchester and Regularis Concordia, ed.by PARSONS, D., London 1975, dort bes. BULLOUGH, D.A., 1975, The Continental Background of the Reform, 20.36; FARMER, D.H., 1975, The progress of the Monastic Revival, 10-19; Wulfstan of Winchester: Life of St,Æthelwold, ed. & trans. by LAPIDGE, M./WINTERBOTTOM, M., Oxford, 1991; YORKE, B., 1987, Bishop Æthelwold: His Career and influence, Cambridge; BARLOW, F., 21979, The English Church 1000-1066, London; The Rule of St.Benedict: The Abingdon Copy, ed. by CHAMBERLAIN, J., 1982, edited from Cambridge, Corpus Christi College MS 57, Leiden; TURNER, D.H., et al., 1980, The Benedictines in Britain, London; Monastische Reformen im 9. und 10. Jahrhundert, hrsg. v. KOTTJE, R./MAURER, H., 1989, Sigmaringen. 129. Vgl. Schmitt, 1959, 659f. Zu Edgar vgl. JOHN, E., 1982, The Age of Edgar, in: The Anglo-Saxons, ed. by. CAMPBELL, J./JOHN, E./WORMALD, P., Oxford, 160-191. Siehe hierzu auch Gunhild Zimmermann, die die religiöse und politische Ordnung im späten angel-sächsischen England für die Lektüre der vier großen altenglischen Manuskripte untersucht (vgl. Zimmermann, 1994, I. The religious and political order in late Anglo-Saxon England, 4-21). 130. Als Beispiel seien hier der westsächsische Ealdorman Æthelweard und sein Sohn Æthelmær erwähnt, die die Klöster von Cerne Abbas und Eynsham gestiftet hatten. Der Adel unterstüzte die Reform durch Gaben und Zuwendungen, wobei soziale und politische Motive mit Frömmigkeit einhergingen (vgl. hierzu POPE, J.M., 1990, The Tenth Century Monastic Reform re-examined, paper given to the Southern Conference on British Studies, Nov.2, 1990, in: OENL 24, 3, 1991, A-1). So kann Stafford urteilen: "The monastic revival was thus a movement fostered by the King and a small circle of the great nobility."(Stafford, 1978, 16). Vgl. hierzu auch Zimmermann, 1994, A.I. The Benedictine Revival and Royal Support, 273-275. 131. Die Benediktinermönche inthronisierten Edgar als Stellvertreter Christi auf Erden. Der Herrscher wird dann nur noch in der Gemeinschaft der Geistlichen gesehen, wie die Krönungsfeierlichkeiten Oswalds zeigen. (vgl. Vita Oswaldi, hrsg.v. RAINE, H., The Historians of the Church of York, 3 Bde., Rolls Series 71, London 1879-81, Bd 1. S. 438, das als Muster für den "Herrscher als Bruder der Mönche" diente: Vgl. auch das Gedicht über die Krönung Edgars im Anglo-Saxon Chronicle, in: ASPR VI, 21-22) Für Busse herrscht bezüglich der Herkunft des Herrscherbildes kein Zweifel: "In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts beruft man sich in klerikalen Kreisen bei den überlieferten Entwürfen des Herrscherbildes auf eine ganz andere Geschichte als die der Heldensage: man wählt die Helden der Kirche zum Vorbild, man beruft sich auf das Alte Testament, man entfremdet damit den König seinen Kriegern". (vgl. Busse, 1991, 133f) Auch Ælfric sprach dem Volk, das heißt, den führenden Geistlichen und den Aristokraten das Recht zu, ihren König zu wählen: "Ne mæg nan man hine sylfne to cynge gedon, ac þæt folc hæfð cyre to ceosenne þone to cyninge þe him sylfum licað: ac siððan he to cyninge gehalgod bið, þonne hæfð he anweald ofer þæt folc, and hine magon his geoc of heora swuran asceacan." (Ælfric, CH I, 212) Sowohl Wulfstan als auch Ælfric begründeten eine "Theologie des Königtums", die, ausgehend von der westfränkischen und lothringischen Klosterreform, die königliche Macht zum Schutz der Freiheiten und Unabhängigkeit der Klöster von den örtlichen Bischöfen und Magnaten, legitmierte. Allerdings waren solche Könige, auf die sich die Mönche verlassen konnten, eher die Ausnahme (vgl. John, 1982, 203). Zur Rolle des Herrschers im 10. Jahrhundert vgl. Busse, 1991, 121-139. Siehe auch Anm. 55, S. 39. 132. Zur Ära nach Edgar vgl. JOHN, 1982, , 192-213. 133. Zum ersten Mal wird Wulfstan im Jahre 996 erwähnt, als er Bischof von London wurde. Von 1003-1023 war er Bischof von Worcester und Erzbischof von York, wo er auch starb. König war zu seiner Zeit Æthelræd Unræd (978-1016), später Cnut d. Gr. (1016-1036), der über ganz England und Dänemark herrschte. Wulfstan paßte sich der jeweiligen Krone an und diente zuerst dem Engländer, dann dem Dänen, der kurz zuvor noch Heide gewesen war. Unter seiner Regierung versöhnten sich Engländer und Dänen, und die berühmte Allianz mit der Kirche wurde von ihm begonnen, indem er sich für die Abteien und Klöster einsetzte, auf die Einhaltung des Sonntags Wert legte, vor allem aber das Heidentum schließlich unterdrückte (vgl. Trevelyan, 1942, 91). 134. Zu König Æthelred und seiner Regierungszeit, siehe: STAFFORD, P.E., 1979, The Reign of Æthelred II: A Study in the Limitations of Royal Policy and Action, in: Ethelred the Unready, ed. by HILL, D., 15-46. 135. Zu König Cnut siehe LAWSON, M.K., 1993, Cnut: The Danes in England in the early eleventh Century, in: The Medieval World and Church, ed. by Bates, 117-160. 136. Vgl. Stafford, 1978, 22. 137. Vgl. Greenfield 1968, 109. 138. Vgl. Wulfstan, Die "Institutes of Polity, Civil and Ecclesiastical", hrsg. v. JOST, K., 1959, Bern. 139. Ebd., 40. 140. Vgl. Garmondsworth, Introduction to Ælfric's Colloquium, 1-17 . In erster Linie diente das Kolloquium dazu, Jungen, die aus verschiedenen Berufssparten stammten, die lateinische Grammatik und Syntax sowie korrekte Aussprache und Artikulationsfähigkeit beizubringen. Darüber hinaus ermutigte er sie, nicht fest vorgegebene Antworten aus den Texten wie Credo oder Vater-Unser auswendig zu lernen, sondern aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem klösterlichen Leben selbständig eigene Antworten in lateinischer Sprache zu formulieren (vgl. ebd., 11-15). In diesem Sinne ist das Kolloquium ein Beispiel für eine Pädagogik, die an der Lebenswirklichkeit der Schüler ansetzt und gleichzeitig auch ein Stück diese Lebenswirklichkeit widerspiegelt. Somit gehört Ælfric sicherlich zu den bedeutendsten Gelehrten des angelsächsischen Mönchtums (vgl. Hilpisch, 1957, 335). Zu Ælfric vgl. Kap. 2.4, S. 193ff. 141. Die irischen Schulen waren jedoch nicht so sehr von der Barabereninvasion betroffen und fuhren fort, sich neben Grammatik und Rhetorik auch mit den weltlichen lateinischen Schriften zu beschäftigen (vgl. Whitelock, 1952, 190). 142. Für Patrick Wormald ist Alfred weder als Herrscher noch als Bildungsreformer einzigartig, da die Karolinger in vielen Aspekten mehr erreicht hätten. Allerdings habe kein Herrscher so viel mit so wenig erreicht. Deshalb ist Alfred für ihn der einzige westliche Herrscher zwischen Mark Aurel und Alfons dem Weisen von Castillien: "...whom we actually catch in the act of reading and writing about his job; an extraordinary testimony to his dedication in absorbing what the Church tried, and usually failed, to teach Kings." (Wormald, 1982, 157). 143. Vgl. Läpple, 1981, 68-74. Zur Geschichte der Katechese siehe unten S. 94ff. 144. Vgl. Läpple, 1981, 77. 145. Vgl. Laistner, 1976, 202. 146. Vgl. John, 1982, 206. 147. Ælfric schreibt im Vorwort zum zweiten Band seiner Volkspredigten: "Ic Ælfric munuc awende þas bóc of Ledenum bócum to Engliscum gereorde þam mannum to rædenne þe þæt Leden ne cunnon." (CH II, 2). Vgl. auch CH I, 1-8. |