Dr. Christoph Grießhaber
Hans Strobel

Abschlussbericht über das E-Mail Projekt Cross-Cultural stereotypes mit der Mount Pleasant University in Michigan vom März bis Mai 1998

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I. Durchführung

II. Inhalt

III. Bewertung

1. Thema. Cross-Cultural Stereotypes 2. Schülerberichte

 

I. Durchführung und Verlauf des Projektes
 

Nachdem unsere Schule im Herbst 1997 den Zuschlag von Schulen ans Netz bekommen hatte, gingen wir sogleich begeistert und motiviert an die Vorbereitung. Beide teilnehmenden Lehrer, Herr Dr. Grießhaber und Herr Strobel, wählten den DV-Kurs der Klasse 11/1 aus, weil sie in dieser Klasse noch weitere Fächer unterrichteten. Eine fächerübergreifende Projektbetreuung war damit erleichtert. Ebenso bereitete es wenig Schwierigkeiten, die Schüler von unserem Vorhaben zu überzeugen.

Ursprünglich hatten wir nur eine Hälfte der Klasse dafür ausgesucht. Dies hatte den Protest der Schüler zufolge, die sich benachteiligt fühlten. Da die Teilung darüber hinaus zu Schwierigkeiten geführt hätte, das Projekt auch im Englischunterricht zu begleiten, beschlossen wir, unser Vorhaben mit der gesamten Klasse zu wagen.

Nun ging es darum, eine geeignete Partnerschule in den USA zu finden. Hierzu abonnierten wir die "E-Mail-online" Liste des Stolaf-Servers in den USA (iecc-he-request@stolaf.edu), und wie die Liste des Goetheinstituts an der Uni Oldenburg (email-online-request@informatik.uni-oldenburg.de), die von Reinhard Donath betreut wird. Gleichzeitig sandten wir selbst ein Anfrage an die entsprechenden Server. Nach kurzer Zeit erhielten wir eine Antwort von Dr. Gisela Moffit von der Mount Pleasant University, Michigan, die mit ihrem Kurs Interesse bekundete. Wir verabredeten, die E-Mail-Partnerschaft zuerst einmal als Versuch laufen zu lassen, da wir auch nicht wußten, wann unser Computerraum mit der nötigen Hardware ausgestattet sein würde.

Zu unserem Leidwesen zog sich die Installation des ISDN-Zugangs am Schulserver weiter hin, sodass wir erst Anfang März mit unserem Projekt beginnen konnten. Dazu kam, dass nicht alle Schülercomputer Internetzugänge besassen, da die Installation des Proxy-Servers Schwierigkeiten bereitete.

Dennoch gingen alle mit vollem Elan ans Werk. Ende Februar kamen die ersten E-Mails aus Amerika und die Schüler konnten sich selbstständig ihre Partner aussuchen. Da unsererseits 26 Schüler teilnahmen, beschlossen wir, sie jeweils in Zweier- bzw. Dreiergruppen arbeiten zu lassen. Der Briefkontakt sollte in der jeweiligen Zielsprache durchgeführt werden, was aber von unserer amerikanischen Partnern nicht immer durchgehalten werden konnten. So lief die Briefpartnerschaft weitgehend auf Englisch ab. Am Ende sollten alle Gruppen einen Abschlussbericht vorlegen (siehe Anhang 2).

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II. Inhalt
 

Nach Rücksprache mit unserer Kollegin Dr. Gisela Moffit stellten wir es den Schülern und Studenten frei, über welche Themen sie nach der anfänglichen Vorstellung korrespondieren wollten. Ebenso hielten wir uns bei der inhaltlichen und grammatikalischen Korrektur der Briefe weitgehend zurück, um so nicht die Motivation für das freie Schreiben zu beeinträchtigen und um dem Projekt den Charakter des Unterrichts, in dem es ja auch um Bewertung geht, zu nehmen. Zur inhaltlichen Orientierung wies ich allerdings in einer kurzen Einführung auf die Bedeutung der cross-cultural stereotypes an, um den Schülern die Themenfindung zu erleichtern (s. Anhang 1). Ansonsten konnten sie weitgehend frei arbeiten.

Die Themen, die dabei zur Sprache kamen, waren äußerst vielseitig, doch zentrale Anliegen waren Scientology, die Affairen des Bill Clinton, aber auch alltägliche Themen wie Familie, Religion etc. wurden diskutiert. Bezüglich der Gefahr, der Scientology hier in Deutschland beigemessen wird, mussten die Schüler erkennen, dass der Informationsstand in Amerika dem in Deutschland nicht unbedingt entspricht. Als Beispiel sei an dieser Stelle der Bericht von Annerose Kauderer und Corinna Mayer zitiert. "She is not too familiar with Scientology. She comes from a very Dutch community and has grown up in a Christian background. She is assuming that because she doesn´t know anything about it, it´s not as wide spread as she might have thought it would be."

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III. Bewertung
 

Neben den bereits erwähnten Schwierigkeiten mit der Installation des Proxy-Servers bestand eine weitere Schwierigkeit darin, dass sowohl diesseits als auch jenseits des Antlantik die Betreuung der Schüler und Studenten durch Krankheit der Lehrer erschwert wurde. Gisela Moffit fiel für einige Zeit aus, was ihre Studenten vor gewisse Probleme stellte. Sie schrieb: "Another problem which was caused by my illness was that they were entirely on their own. So, when they got questions about scientology, some of my students did not know what to make of it. Therefore, in the future I would set time aside in class to see what kinds of questions they got and give them time to discuss these in class."

Darüber hinaus sind wohl unsere amerikanischen Freunde uns in der Beherrschung des Computers überlegen. Immer wieder tauchten bei uns Probleme mit der einfachen Handhabung des Computers wie das Abspeichern von Text im richtigen Format auf. Nur vereinzelt besaßen unsere Schüler privaten Zugang zu einem Computer, um die Briefe eventuell auch zu Hause schreiben zu können. Zudem hatten wir nur eine Doppelstunde in der Woche zur Verfügung, was den regelmäßigen Briefkontakt erschwerte. Dies führte auch zu Enttäuschungen der amerikanischen Studenten, die es gewohnt sind, dass ihre Briefe sofort beantwortet werden. Und unsere Schüler mussten jeweils eine Woche warten, bis sie die Briefe aus Amerika bekamen. So schrieb Gisela Moffit: "As I told you before, they are so used to receiving mail immediately after they have sent theirs that they were frustrated when they did not hear from your students for several days or weeks. I wonder how we could set it up so that they can count on getting more mail."

Dennoch bewerteten alle beteiligten Schüler und Studenten unser Projekt überwiegend positiv. Immer wieder wurden wir in der Schule spontan angesprochen, ob weitere E-Mails eingegangen waren. So schreibt z.B. Peter Herrlinger, den ich an dieser Stelle stellvertretend zitieren möchte: "Dieses e-mail-Projekt war für mich persönlich ein Experiment. Der erste Kontakt mit amerikanischen Schülern per Internet und die erstmalige Nutzung des Internet. Meine Erfahrungen waren durchweg positive, abgesehen von folgenden Problemen, die eine Verzögerung verursachten:

-Fehlen von Lehren und Schülern durch Krankheit

-Ferien (d.h. kein Zugang zum Internet)

Inhaltlich waren meine Erfahrungen so, dass das Deutsch der Amerikaner schwer verständlich, und somit teilweise zum Rätselraten wurden. Allerdings ist dies ein überwindliches Problem. Feststellen konnte ich, dass Deutsche und Amerikaner dieselben Interessen (Sport, Kultur, Freizeit) haben. Unter diesen Gesichtspunkten kann ich jedem dieses Projekt weiterempfehlen."

Dieses Projekt war ein Experiment und auch so gedacht. Es war gekennzeichnet durch viele Unwägbarkeiten, die es zu meistern galt. Obwohl einige der in der Ausschreibung beschriebenen Ziele nicht erreicht wurden, hat es sich für die Schüler und für uns gelohnt, dieses Experiment zu wagen. Wie die Abschlussberichte zeigen, haben sich doch festere Bekanntschaften entwickelt. Des weiteren haben sich die meisten Schüler für einen DV-Grundkurs "Arbeiten im Internet" im nächsten Schuljahr angemeldet, um ihre Kenntnisse über das Internet zu vertiefen. Wir haben bereits mit Dr. Moffit verabredet, den Austausch im nächsten Schuljahr fortzusetzen.

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